300 Existenzgründungen in Europa gehen auf die Uni Kassel zurück

Gabriele Hennemuth

Kassel. Was haben der Solartechnikhersteller SMA, der Softwareentwickler Micromata, die Galerie Caricatura und die Firma Impuls, die Konzepte für Kindergärten entwickelt, gemeinsam? Die Wurzeln all dieser Unternehmen liegen in der Universität Kassel.

Von mehr als 330 Gründungen seit Bestehen der Hochschule weiß die Gründungsberatung „Inkubator“, die bei UniKassel Transfer angesiedelt ist. Anschaulich wird das Ausstrahlen der Uni als Unternehmensmotor auf einer Gründerlandkarte im Internet, die seit einiger Zeit am Wachsen ist.

164 ehemalige und aktuelle Gründer haben dort bislang ihre Stecknadel eingepikst und einen Unternehmenssteckbrief hinterlassen. Etwa die Hälfte davon sitzt in Kassel, ein Viertel in Nordhessen, der Rest verteilt sich über ganz Deutschland. Einige Unternehmen, die aus der Uni Kassel hervorgegangen sind, haben ihren Sitz sogar im europäischen Ausland – etwa die Firma What is it Production in London, die von Kunsthochschul-Absolventen gegründet wurde und bei der Entwicklung benutzerfreundlicher digitaler Produkte berät.

Die Stecknadeln auf der Karte nehmen zu: Etwa fünf bis zehn Gründungen aus der Uni Kassel heraus gebe es pro Jahr, sagt Gabriele Hennemuth von Inkubator. In den fünf Jahren, seit es die Gründungsberatung gibt, wurden 200 Projekte begleitet. 50 davon seien in die Selbstständigkeit gemündet.

Profit ist erstmal Nebensache

Das Hauptmotiv der Gründer sei in den meisten Fällen Selbstverwirklichung, seltener stehe das Erzielen von Gewinn im Mittelpunkt. Gründungen aus der Not heraus kämen so gut wie nie vor. Die akademischen Existenzgründer zeichnen sich zudem durch innovative Ideen aus, sagt Gabriele Hennemuth. „Das sind keine Standardprodukte.“

In den Ingenieur- und Naturwissenschaften gibt es besonders viele Existenzgründer – ein Drittel der Gründungen kommt laut Hennemuth aus diesen Disziplinen. Auch an der Kunsthochschule und bei den Agrarwissenschaftlern in Witzenhausen gebe es ein hohes Potenzial. „Wir wollen zeigen, dass es auch Alternativen zur angestellten Tätigkeit gibt“, sagt Hennemuth über das Ziel, in die Hochschule hinein zum Gründen zu motivieren. Wie in einem Brutkasten gehe es beim Inkubator darum, im geschützten Raum der Uni eine zunächst rohe, ungenaue Idee zu konkretisieren und als Gründungsprojekt und funktionierendes Geschäftsmodell aufzustellen.

www.unikasseltransfer.de

Beim Inkubator können Absolventen auch das Exist-Stipendium für Gründer aus der Wissenschaft beantragen. Das kann sich mit 2000 Euro pro Monat sowie einem Budget für Sachausgaben und Coaching bezahlt machen. In Geld nicht ausdrücken lässt sich das Netzwerk, zu dem der Inkubator Zugang verschafft. Über den angeschlossenen 20-köpfigen Unternehmer-Rat mit Vertretern aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen gibt es hilfreiche Tipps und wertvolle Kontakte.

Von Katja Rudolph

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