Experten für Hernienchirurgie

Marienkrankenhaus in Kassel hat viele Patienten mit Leistenbrüchen

Dr. Michael Hoffmann, Chefarzt der der Chirurgischen Klinik, steht neben der Marienskulptur von Bernhard Kleinhans vor dem Eingang des Marienkrankenhauses.
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Chefarzt der Chirurgischen Klinik: Dr. Michael Hoffmann hat das Hernienzentrum im Marienkrankenhaus aufgebaut.

Das Marienkrankenhaus in Kassel ist verhältnismäßig klein. Doch was die Patientenzahlen mit Leistenbrüchen anbelangt, da ist das Mariechen, wie es liebevoll genannt, ganz groß.

Es ist schon bemerkenswert: Das Kasseler Marienkrankenhaus ist deutschlandweit vorn mit dabei, was die Anzahl der Patienten mit Leistenbrüchen betrifft. Zu dem Ergebnis kommt das Informationsportal „Klinik Kompass“. Dr. Michael Hoffmann, Chefarzt der Chirurgischen Klinik und Leiter des Kompetenzzentrums für Hernienchirurgie, bestätigt die Zahlen:

„Nicht schlecht für unser kleines Mariechen, oder?“, sagt der Mediziner in rheinischem Singsang.

Unter Hernien sind Brüche in der Bauchdecke zu verstehen – dazu zählen zum Beispiel Nabel- wie Narbenbrüche und eben Leistenbrüche, das sei die häufigste Form, erklärt Hoffmann. 2019 kamen 655 Patienten mit Leistenbrüchen in seine Abteilung, insgesamt werden mehr als 1300 Menschen pro Jahr im Kasseler Hernienzentrum operiert. Bei 250 Arbeitstagen macht das mehr als fünf Eingriffe am Tag. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt er.

Nur zum Vergleich: In Deutschlands Krankenhäusern werden im Schnitt 150 Hernien-Operationen pro Jahr vorgenommen.

Bei mehr als der Hälfte der Eingriffe im Marienkrankenhaus steht der Mann aus der Eifel selbst am Tisch. Etwa 30 Minuten dauere beispielsweise die Operation eines Leistenbruchs, bei der sich der Patient in Vollnarkose befindet. Hoffmann bezeichnet das Ganze als „Schlüsselloch-Chirurgie“. Medizinisch korrekt wird das Verfahren endoskopisch oder minimal-invasiv genannt. Was bedeutet, dass nur kleine Schnitte gemacht werden, und dass mit feinen Instrumenten und Kameras gearbeitet wird. Die Eingriffe seien komplikationsarm, erklärt der Experte für Leistenbrüche.

Diese treten bei Männern wesentlich häufiger auf. „Es handelt sich um eine Lücke in der Bauchwand, im Unterbauch-Bereich“, erklärt der 61-Jährige. Ursache sei eine Bauchwandschwäche, die zu einer „Ausstülpung des Bauchfells“ führe. Das störe und könne Schmerzen auslösen. Zu verhindern seien Leistenbrüche nicht wirklich, sagt der Facharzt für spezielle Viszeralchirurgie: „Die Brüche sind überwiegend genetisch bedingt und haben mit dem Zustand des Bindegewebes zu tun.“ Familiäre Veranlagung spiele eine Rolle. Mit zunehmendem Alter wachse die Wahrscheinlichkeit für einen Leistenbruch.

Dass das relativ kleine Haus in Rothenditmold im nationalen Vergleich so gut dasteht, erfüllt Hoffmann mit Stolz. Für den Rheinländer, der in Nordhessen längst heimisch geworden ist, kommt das Hernienzentrum einem Lebenswerk gleich. Er habe die Chance bekommen, das alles aufzubauen, sagt er rückblickend: „Dafür bin ich sehr dankbar.“ Er denkt dabei unter anderem an Michael Schmidt, den damaligen und heutigen Geschäftsführer, der früh auf Spezialisierung gesetzt habe.

Auch deshalb zog es Hoffmann 2006 von Neuwied bei Koblenz nach Kassel. Das Marienkrankenhaus kannte er da bereits von einer Hospitation einige Jahre zuvor. Studiert hatte er in Bonn, und als junger Facharzt „bin ich sozusagen mit der damals noch revolutionären Schlüsselloch-Technik groß geworden“. Als dann das Angebot aus Kassel kam, als Chefarzt im Marienkrankenhaus dieses Fachgebiet voranzubringen, musste Hoffmann nicht lang überlegen.

Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte. Was die Patientenzahlen anbelangt, seien sie kontinuierlich gewachsen: „Das hätte ich mir so nie vorstellen können“, sagt der Ahnataler und Vater zweier Töchter. Der Einzugsbereich der Klinik wurde nach und nach größer. Der Ruf immer besser. Und schließlich bekam die Abteilung das Zertifikat Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie verliehen – erst als 30. Klinik in Deutschland. Auch das ist bemerkenswert. (Robin Lipke)

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