Freigelegte Mauerreste ohne historische Bedeutung: Grabungen eingestellt

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Bauplatz für das neue Altenheim der Sozialgruppe: Historische Mauerreste entdeckt - doch sie gehören nicht zum alten Unterneustädter Tor.

Kassel. Die am Unterneustädter Kirchplatz entdeckten Mauerreste gehören nicht zum alten Stadttor aus dem 16. Jahrhundert und sind auch sonst nicht von Bedeutung. Nach Angaben von Dr. Andreas Thiedmann vom Landesamt für Denkmalpflege in Marburg sind die Funde unspektakulär.

Die Archäologen seien auf viel Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg und ältere Mauerzüge aus dem Barock gestoßen. "Aber auf nichts Besonderes."

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"Unseren Ansprüchen ist genüge getan", sagt Thiedmann. Wegen des Bodendenkmals, das Zeugnis von der ersten mittelalterlichen Stadtweiterung und deren Entwicklung bis hin zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gibt, müssen Bauprojekte in der wieder gegründeten Unterneustadt von Archäologen begleitet, die Funde dokumentiert werden. Die Auflagen seien erfüllt, der Baugrund ausreichend untersucht worden, sagt Thiedmann. In der nächsten Woche würden die Arbeiten beendet. Was noch in der Tiefe verborgen sei, bleibe erhalten. "Es ist nicht für alle Ewigkeit versiegelt." Man sehe derzeit auch keinen Anlass, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen.

Die Kasseler Denkmalpflege nimmt an, dass das Unterneustädter oder Leipziger Tor, wie es auch genannt wird, weiter in der Mitte des Grundstücks und tiefer liegt. Diesen Schluss ließen Probebohrungen aus dem Jahr 2002 zu, sagt der kommissarische Amtsleiter, Heinz Kefenbaum. Freilegen lasse man das Tor aber nicht. Man wolle die vom Landesamt vorgegebene Grabungshöhe einhalten und nicht tiefer gehen, um keinen Schaden an dem Bodendenkmal anzurichten.

Auf dem Grundstück neben dem QVC-Callcenter will die Sozialgruppe Kassel ein Altenheim bauen. Das Gebäude darf wie andere auch nicht unterkellert werden. Damit das Bodendenkmal nicht beschädigt wird, soll laut Kefenbaum eine 70 Zentimeter dicke Stahlbetonplatte aufgebracht werden, die den Druck auf den Untergrund gleichmäßig verteilt.

Der Kasseler Historiker Christian Presche bedauert, dass die Grabungen nicht im südlichen Teil des Grundstück weitergeführt werden. Es sei möglich, dass die Fundamente des alten Tors dort in einer geringeren Tiefe als angenommen auftauchten. Das mittelalterliche Bodendenkmal werde davon auch nicht berührt, weil darüber nur neuzeitliche Schichten lägen, die nicht von Wert seien. Presche vermutet anhand der Pläne, dass das Tor in der Verlängerung der Bettenhäuser Straße liegen muss.

Das große Problem sei, dass die älteren Pläne zu ungenau seien, um exakte Aussagen treffen zu können. Er bezweifelt auch, dass einzelne Bohrungen darüber Auskunft geben könnten, auch wenn er die Befunde nicht kenne.

Nun biete sich die Chance, die genaue Lage und Größe des Tores zu bestimmen, sagt Presche. "Wenn die Bodenplatte darauf liegt, besteht für Jahrzehnte keine Möglichkeit mehr, daran zu kommen."

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