Experte zu Unfällen an der Breitscheidstraße: Fahrer sind Schuld

Kassel. Es krachte zuletzt regelmäßig: Nach dem Umbau der Breitscheid- und der Gilsastraße ist es im Vorderen Westen stadteinwärts vermehrt zu Unfällen gekommen. Schuld ist daran allerdings nicht die neue Straßenführung, sondern sind die Fahrer selbst, sagt Dieter Brüßler, Verkehrssicherheitsbeauftragter des ADAC.

„Jeder hat ein anderes Argument. Dabei ist die Geschwindigkeit entscheidend“, sagt Dieter Brüßler am Donnerstagmorgen beim Ortstermin an der Breitscheidstraße. Der Verkehrssicherheitsbeauftragte und Polizeibeamte im Ruhestand ist auf Wunsch der HNA zu der Linkskurve im Vorderen Westen gekommen, die derzeit in Kassel wohl für den meisten Gesprächsstoff unter Verkehrsteilnehmern sorgt.

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Seit Umbau der Breitscheidstraße/Höhe Gilsastraße im Frühjahr dieses Jahres sind in der Kurve 15 Unfälle passiert, zu der die Polizei gerufen wurde. Die Dunkelziffer scheint wesentlich höher zu sein.

Wer oder was ist dafür verantwortlich? Der Straßenbelag, die Straßenbahnschienen, die Verkehrsführung oder die Autofahrer selbst, weil sie die Geschwindigkeit den Straßenverhältnissen nicht anpassen?

ADAC-Experte Brüßler (69) hat eine eindeutige Antwort: „Es liegt allein an der Geschwindigkeit.“ Viele Autofahrer überschätzten ihre Fähigkeiten und passten die Geschwindigkeit nicht an die Verhältnisse an. Laut Brüßler ist der neue Belag auf der Breitscheidstraße völlig in Ordnung, „der Grip ist da“ und die Straßenbahnschienen seien „ebenerdig“ mit der Fahrbahn. Hinzu komme, dass ein Fahrzeug in dieser Kurve immer nur mit zwei Reifen auf den Schienen geraten könne. Die anderen seien auf dem Asphalt und hätten entsprechenden Halt. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Schienen einen hier beginnenden Schleudervorgang erheblich beeinflussten.

Das Problem nach dem Umbau sei, dass manche Autofahrer zu schnell auf der Straße unterwegs seien. Verkehrsteilnehmer, die dadurch ins Schleudern geraten würden, entwickelten einen Tunnelblick und registrierten häufig zu spät, dass eine Kurve folgt. Wer mit 60 Kilometer pro Stunde unterwegs sei, lege 18 Meter pro Sekunde zurück, wer Tempo 30 fährt, nur neun Meter. Bei zu hoher Geschwindigkeit wirkten Fliehkräfte auf das Auto, die auch nicht durch die eingebaute Elektronik gemindert werden könnten.

Nach dem Umbau hätten Messungen ergeben, dass zehn Prozent der Verkehrsteilnehmer schneller als mit Tempo 50 unterwegs gewesen seien, sagt Brüßler. Das Gros dieser Fahrer sei um die 60 gefahren. Das sei hier zu schnell, besonders wenn die Fahrbahn feucht sei. Entsprechend seien sie nach rechts oder links aus der Kurve ausgebrochen.

Der ADAC bietet ein Fahrsicherheitstraining in Nohra (Thüringen) an. Weitere Infos unter www.adac.de

Das Straßenverkehrsamt der Stadt Kassel habe richtig auf die ersten Unfälle reagiert, sagt der ADAC-Experte. Zuerst sei ein Gefahrenzeichen aufgestellt worden, dann habe es Radarmessungen gegeben. Die daraus gezogene Konsequenz, dass hier bei Nässe nur noch Tempo 30 erlaubt ist, sei richtig. Allerdings müsse jetzt auch regelmäßig kontrolliert werden, ob sich die Autofahrer an das Tempolimit halten, sagt Brüßler. Er warnt: „Wer hier zu schnell unterwegs ist und einen Unfall baut, bekommt Probleme mit seiner Versicherung.“ Er hat noch einen weiteren Rat: Es sei sinnvoll, mal an einem Fahr- und Sicherheitstraining teilzunehmen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Rubriklistenbild: © Koch/HNA

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