Ruf nach neuem Gesetz

Experten beurteilen „Hundeführerschein“ grundsätzlich positiv

+
Muss Herrchen bald zum Test? Bürgermeister Jürgen Kaiser fordert ein neues Hundegesetz. Unser Archivbild zeigt eine Deutsche Kurzhaardogge und einen Kaninchen-Rauhaar-Teckel.

Kassel. Hat die Liste für gefährliche Hunde bald ausgedient? Das wünscht sich Kassels Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD). Da die Stadt Kassel aber keine eigene Satzung vorschreiben darf, ruft er die neue hessische Landesregierung dazu auf, ein Hundegesetz nach niedersächsischem Vorbild zu erlassen.

Statt Kampfhundeliste gibt es dort den Sachkundenachweis: Alle, die sich erstmals einen Hund anschaffen, müssen vorher zum Test antreten.

Britta Waldmann, die im niedersächsischen Staufenberg eine Hundeschule betreibt, zieht ein Dreivierteljahr nach Einführung des Hundegesetzes eine gemischte Bilanz: Die sogenannte Rasseliste abzuschaffen, hält sie für richtig, „da dann Hunde nicht länger aufgrund einer bestimmten Rassezugehörigkeit pauschal verurteilt werden“. Doch bemängelt sie fehlende Kontrollen.  

Lesen Sie auch

Forderung nach Hundeprüfung: So könnten die Fragen aussehen

Bald Prüfungen für Hundehalter statt Liste gefährlicher Hunderassen?

Das bestätigt auch Tierarzt Uwe Gottwald aus Hann. Münden, der als Prüfer seit vergangenem Juli etwa ein Dutzend Sachkundenachweise abgenommen hat. „Ich war zunächst skeptisch, weil die meisten Hundebesitzer erst mal versuchen, das Gesetz zu umgehen.“ Die Mehrheit seiner Prüflinge sei im Nachhinein jedoch positiv eingestellt gewesen und hätte den Test als gutes Training empfunden, berichtet Gottwald. Der Tiermediziner mit der Prüflizenz nimmt 50 Euro (inkl. Mehrwertsteuer) für die Abnahme des Theorietests, den er zuvor für 17,50 Euro beim Land Niedersachsen einkaufen muss.

75 Euro kostet die praktische Prüfung, bei der er während eines einstündigen Spaziergangs Herrchen und Hund beobachtet und unter anderem darauf achtet, ob das Tier in der Öffentlichkeit auffällig reagiert. „Für die meisten neuen Hundebesitzer ist der Test nicht schlecht“, resümiert Gottwald. „Aber für die 80-jährige Oma, die sich einen Chihuahua zulegen will, ist er sicher nicht relevant.“

Ziel: Kosten senken

Bürgermeister Kaiser hofft, mit der Neuregelung sowie einer zusätzlichen Chip- und Registrierpflicht nicht nur dem Sicherheitsbedürfnis der Kasseler Genüge zu tun, sondern auch die Kosten für vernachlässigte und gefährliche Tiere zu senken, um deren Unterbringung sich die Stadt kümmern muss.

Würde die sogenannte Kampfhundeliste wirklich kippen, hätte die Stadt Kassel übrigens keinen finanziellen Nachteil, da sie derzeit für die gelisteten Hunde keine höhere Hundesteuer verlangt. Anders sieht es da schon in Baunatal oder Schauenburg aus: Dort müssen die Halter von Pitbull und Co. jährlich 490 Euro beziehungsweise 588 Euro zahlen.

Wie viel Geld aus den kostenpflichtigen Sachkundeprüfungen in die kommunalen Kassen fließen könnte, steht noch in den Sternen. Ebenso, ob Kaisers Vorstoß überhaupt Thema im Hessischen Landtag wird.

Von Anja Berens

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.