25 Jahre Dakits

Expertin: "Nachfrage nach Plätzen in freien Kitas ist groß, Geld ist knapp"

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Eine der ältesten Elterninitiativen in Kassel: Die Kita Kinderladen in der Fontanestraße im Stadtteil Fasanenhof gibt es seit 1972. Unser Foto entstand 1989.

Kassel. Riesige Nachfrage, knappes Geld und fehlendes Fachpersonal: Die freien Kindertagesstätten in Kassel müssen an mehreren Fronten kämpfen. Ihr Dachverband Dakits setzt sich seit 25 Jahren für sie ein. 

Heute feiert die Institution ihr Jubiläum. Wir sprachen mit Dakits-Geschäftsführerin Antje Protel über die Lage der freien Kindergärten und Krippen.

Wie ist Dakits entstanden?

Antje Proetel: Harold Becker vom Paritätischen Wohlfahrtsverband hatte damals die Idee, die unterschiedlichen Elterninitiativen unter einem Dachverband zu bündeln. Seitdem ist viel passiert. Anfang der 90er-Jahre gab es in Kassel 14 von Eltern organisierte freie Kitas mit insgesamt 130 Betreuungsplätzen. Heute sind es 35 Einrichtungen an 44 Standorten mit 2400 Plätzen. Darunter sind auch mittelgroße Träger mit 400 Plätzen. Bis heute haben sich aber auch die kleinen Kitas erhalten. Die älteste noch bestehende ist die Kita Kunterbunt in der Schellingstraße, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den GI gegründet wurde.

Wie groß ist die Vielfalt der Konzepte?

Proetel: Das Angebot ist stetig gewachsen. Heute gibt es klassische Elterninitiativen, anthroposophisch ausgerichtete Kitas, Montessori-Einrichtungen, eine Sportkita, eine christliche Kita, eine musisch orientierte Gruppe und demnächst auch eine muslimische Kita. Hinzu kommen die Bertriebskindergärten.

Warum macht der Zusammenschluss Sinn?

Proetel: Es gibt immer neue bürokratische Anforderungen an Kindertagesstätten. Dakits kümmert sich darum, Themen wie Datenschutz, Kinderschutz, Brandschutz und Finanzierung für die Einrichtungen aufzuarbeiten und ihnen praktische Leitlinien an die Hand zu geben. Auch verhandeln wir im Auftrag der freien Kitas die Zuschüsse mit der Stadt Kassel. Nicht zuletzt helfen wir den Trägern bei individuellen Problemen. Gerade kleine Elterninitiativen können leicht an den umfassenden Vorgaben zerbrechen.

Was bieten Elterninitiativen, was städtische oder konfessionelle Kitas nicht bieten?

Proetel: Elterninitiativen erfordern erstmal einen großen persönlichen Einsatz der Eltern. Dafür haben diese aber auch einen großen Gestaltungsspielraum. Pädagogik von der Stange gibt es dort nicht. Viele Eltern sehen Kindertagesstätten heute zu sehr als Dienstleister, der ihnen den Rücken freihält, um dem Beruf nachgehen zu können. Das ist schade, denn auf diese Weise entfremden sich die Eltern von der Pädagogik und damit der Erziehung ihres Kindes. Zudem können kleinere Einrichtungen schneller auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. So waren die freien Träger Pioniere bei der U3-Betreuung. Bei der letzten Flüchtlingswelle ist es gelungen, viele Flüchtlingskinder in die Kitas zu integrieren.

Wie groß ist die Nachfrage nach Plätzen in freien Kitas?

Proetel: Die Nachfrage ist sehr groß. Das gilt aber auch für städtische und konfessionelle Kindergärten. Im U3-Bereich ist die Situation etwas besser, weil dort in den vergangenen Jahren ein gewaltiger Ausbau stattgefunden hat.

Wie ist die Situation der freien Kitas aktuell?

Proetel: Das größte Problem ist oft die Finanzierung. Wir treten für eine Gleichbehandlung mit den öffentlichen Kitas ein und führen in diesem Sinne die Vertragsverhandlungen mit der Stadt Kassel. Bei den jüngsten Gesprächen konnten wir durchsetzen, dass die freien Kitas ab 2019 so finanziert werden, dass sie die Vorgaben des seit 2014 geltenden Kinderförderungsgesetzes besser bewältigen können. Denn dieses sieht einen höheren Personalschlüssel vor. Auch konnten wir für die Erzieherinnen eine Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes erreichen. Bisher wurden sie meist schlechter bezahlt als in den städtischen Kitas. Vor dem Hintergrund des Personalmangels war dies ein großes Problem.

Oberbürgermeister Christian Geselle hat jüngst die Jugenddezernentin Anne Janz kritisiert, weil sie angeblich in den städtischen Kitas zu wenige Stellen geschaffen hat. Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Frau Janz?

Proetel: Anne Janz hat sich immer für die kleinen, freien Träger eingesetzt. Sie tritt für die Vielfalt der Konzepte ein. Sie hat zugesagt, kleine Kitas finanziell zu unterstützen, wenn sie in Schieflage geraten sind.

Welche Ziele hat sich der Dachverband gesteckt?

Proetel: Vor allem wird es darum gehen, die Vielfalt der Kitas zu bewahren. Dies wird immer schwieriger, da immer neue gesetzliche Vorgaben hinzukommen und die verfügbare Zeit der Eltern eher abnimmt. Darüber hinaus wollen wir die individuellen Stärken der Einrichtungen weiter schärfen, damit für die Eltern die Unterschiede erkennbar sind. Dafür wollen wir auch die Kita-Leitungen vor Ort stärken, damit sie ihre Einrichtungen entsprechend ausrichten können. Ein wichtiges Projekt wird auch die Schaffung eines Vertretungspools sein, aus dem sich die freien Kitas bei Personalengpässen bedienen können. Ähnliche Konzepte wurden in Hannover erfolgreich umgesetzt.

Zur Person

Antje Proetel (55) ist Geschäftsführerin des Dachverbandes der freien Kindertageseinrichtungen (Dakits) in Kassel. Die Erzieherin, Sozialpädagogin und Supervisorin lebt in Kassel und hat zwei Kinder.

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