In vielen Lokalen wird darauf geachtet, dass alle etwas abbekommen

Trinkgeld: Das Extra wird oft geteilt

Ein paar Euro für netten Service: In Kasseler Restaurants, Bars und Gaststätten gibt es unterschiedliche Regelungen, wie mit den Trinkgeldeinnahmen verfahren wird. Foto:  dpa

Kassel. Laufen, lächeln, ständig aufmerksam sein und bei Gästebeschwerden einen kühlen Kopf behalten: Kellnern ist „wirklich ein harter Job“, sagt Dominik Hübler, Direktor des Kasseler Schlosshotels.

Als Anerkennung für guten Service winkt zwar regelmäßig ein Trinkgeld, doch das landet nicht immer komplett im Geldbeutel der Servicekraft, die den spendablen Gast auch bedient hat. Wir haben uns umgehört, wie in Kasseler Restaurants und Gaststätten mit dem Thema Trinkgeld umgegangen wird.

In vielen Betrieben wird darauf geachtet, dass vom Trinkgeldaufkommen auch jene profitieren, die indirekt ihren Beitrag zur Gästezufriedenheit geleistet haben – neben dem Küchenpersonal etwa Thekenkräfte und in größeren Häusern auch weitere Mitarbeiter hinter den Kulissen. Im Schlosshotel fließt laut Hübler alles „in einen großen Topf, und die Abteilungsleiter verteilen das dann“.

Anteil pro Kopf und Arbeitstag

Berechnet werde die monatliche Ausschüttung pro Kopf und Arbeitstag. „So ist es fair für alle“, sagt der Hoteldirektor, und es breche kein Kampf um Tische aus, die besonders dickes Trinkgeld erahnen lassen.

Von diesem Grundmuster gibt es in Kassels Gastronomie etliche Variationen. Auch im Restaurant Eberts nahe dem Bebelplatz wird das Trinkgeld gesammelt und je nach Arbeitsstundenzahl verteilt – dort allerdings nur unter den Servicekräften des Hauses, sagt Inhaber Michael von Alm.

Im Bistro Alex am Friedrichsplatz wiederum gilt, dass die Bedienungen eine festgelegte Prozentquote in einen Verteil-Topf abführen müssen, aus dem dann anteilig alle Mitarbeiter bedacht werden. Da sich diese Quote nicht am Trinkgeld selbst bemisst, sondern am gebuchten Gesamtumsatz je Servicekraft, sei das System „ziemlich gerecht“, findet Alex-Mitarbeiterin Julia Hund.

Im Gasthaus Zum Rammelsberg gilt laut Geschäftsführer Horst Kohberger: Jede Servicekraft gebe von ihrem Trinkgeld einen Obolus an die Küche ab – nach eigenem Ermessen, aber 5 Euro pro Tag sollten es mindestens sein. Darauf werde geachtet, sagt Kohberger: Das Trinkgeld hänge schließlich auch davon ab, ob die Küche gut gearbeitet habe.

Ähnlich werde im Restaurant Steinernes Schweinchen verfahren, berichtet Geschäftsführungs-Assistentin Sonja Bindbeutel. Es liege jedoch frei im Ermessen der Servicekräfte, welchen Trinkgeld-Anteil sie an die Kollegen in der Küche abführen: „Da sind aber alle recht fair untereinander.“

Das Restaurant Pfeffermühle im Hotel Gude gehört zu jenen Häusern, die das Trinkgeld vollständig als Einkommensbestandteil für den Service verstehen. Die Bedienungen müssen davon nichts abgeben, sagt Restaurantleiterin Kristina Feuchter. Allenfalls spreche sich eine zwei- bis vierköpfige Servicegruppe direkt ab, das Trinkgeld eines Abends zu teilen. „Der Gast gibt ja vor allem deshalb, weil er sich gut bedient fühlt“, sagt die Restaurantleiterin.

Von Axel Schwarz

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