Alkoholvergiftungen: Krankenhäuser an Wochenenden in erhöhter Bereitschaft

Exzesse als Freizeitspaß

Angela Waldschmidt

Kassel. Wochenende für Wochenende müssen sich auch Krankenhäuser in Kassel mit den Folgen von Vorglühen, Rauschtrinken und Koma-Saufen bei Jugendlichen befassen. Alkoholexzesse gehören inzwischen zum gewöhnlichen Freizeitverhalten von vielen jungen Menschen.

Teufelszeug Wodka

Wenn sie zwischen Freitag und Sonntag in Feierlaune sind, herrscht in den Ambulanzen der Krankenhäuser erhöhte Bereitschaft. „Wir halten jedes Wochenende drei Betten frei für Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung gebracht werden“, sagt Dr. Thomas Fischer, Chefarzt der Kinderanästhesie und Intensivmedizin am Klinikum. Immer wieder sei das „Teufelszeug Wodka“ mit im Spiel.

Dieser 40-prozentige Alkohol sei besonders tückisch, weil die Jugendlichen in Mischgetränken schnell eine große Menge Alkohol aufnähmen und die Wirkung dann quasi schlagartig eintrete. Ein Großteil der 2011 behandelten Jugendlichen hatte einen Promillewert zwischen 1,6 und 2,5. Das Durchschnittsalter betrage 15, 16 Jahre. Die Jugendlichen kamen zu gleichen Teilen aus der Stadt und aus dem Landkreis Kassel. Das Verhältnis Jungen - Mädchen halte sich die Waage, berichtet Fischer.

Die alkoholisierten Jugendlichen bleiben meist zur Beobachtung in der Klinik, mitunter brauchen sie auch Infusionen und manchmal sind sie zudem unterkühlt, schildert der Mediziner. In vielen Fällen seien es Freunde, die glücklicherweise so umsichtig seien und den Rettungswagen rufen, wenn es einem Jugendlichen nicht gut geht. Zuletzt war in Kassel 2005 ein 13-Jähriger an den Folgen einer Alkoholvergiftung gestorben.

Wenn die Eltern einverstanden sind, werden seit einem Jahr Mitarbeiter der Drogenhilfe Nordhessen im Rahmen des Projekts „Hart am Limit“ hinzugezogen, wenn Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung in der Klinik sind. „Wir bieten Hilfe an und versuchen, möglichst früh herauszufinden, ob eine Suchtgefahr besteht“, sagt Geschäftsführerin Angela Waldschmidt. Es sei wichtig, so früh wie möglich aktiv zu werden, „damit sich nichts verfestigt“. Für einen besseren Umgang mit Grenzen bietet die Drogenhilfe unter anderem gruppenbezogene Freizeitangebote für Jugendliche an.

Das Programm „Hart am Limit“ wurde bundesweit gestartet, um der Entwicklung der Alkoholexzesse bei Jugendlichen wirksam entgegenzutreten. Das auf drei Jahre begrenzte Programm wird inzwischen an über 140 Standorten realisiert. Das Hessische Sozialministerium plant zur Unterstützung der Kommunen und zur Finanzierung der Koordinationsstelle 300 000 Euro pro Jahr ein. Zusätzlich sichern Mittel der teilnehmenden Landkreise und Kommunen sowie der Krankenkassen das Projekt in Hessen. (chr/hei) Archivfoto: nh

Das Sagt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.