Trotz Amazon-Affäre

Zeitarbeit im Aufwind: „Fachkräfte sind gefragt“

Stefan Gerhards, Arbeitssuchender.

Kassel. Der Internethändler Amazon ist wegen schlechter Behandlung von Zeitarbeitern in die öffentliche Kritik geraten. Bei der Jobbörse von 17 Zeitarbeitsfirmen im Kasseler Rathaus verteidigten die Unternehmen ihre Branche:

Man achte auf faire Arbeitsbedingungen und habe ein Auge auf schwarze Schafe unter den Arbeitgebern.

„Wir gucken, was das für Firmen sind. Man kennt seine Pappenheimer“, sagt Jessica Knaup von der Kasseler Zeitarbeitsfirma team-time, die Arbeitskräfte im gewerblich-technischen wie auch dem kaufmännischen Bereich vermittelt. Man habe ein gutes Informationsnetzwerk.

Das Problem seien nicht schlechte Arbeitsbedingungen, sondern der Fachkräftemangel, erklärt Knaup. Sogar angelernte Hilfskräfte seien manchmal schwer zu bekommen. Die Berichterstattung über Amazon rücke die Zeitarbeitsbranche zu Unrecht in ein schlechtes Licht.

Zum Fall Amazon will Jochen Gabriel, Geschäftsführer von F & G Personaldienst in Kassel, nichts sagen. Die eigenen Mitarbeiter betreue man aber sorgfältig. Auch Gabriel beklagt einen zunehmenden Mangel an Fachkräften.

„Wir achten darauf, dass alle Parteien zufrieden sind“, sagt Artur Berger von der Tandem-Gruppe, die eine Niederlassung in Kassel hat. Er kenne keine gravierenden Beschwerden von Zeitarbeitern. In den Betrieben gebe es „keine Zweiklassengesellschaft“. Tandem achte darauf, dass korrekt bezahlt werde. Problematisch sei dagegen, dass Angebot und Nachfrage oft nicht zusammenpassten, sagt Berger. Während gute Handwerker händeringend gesucht würden, würden sich auf eine Sekretärinnenstelle mehr als 50 Interessenten bewerben.

Mit Vorwürfen, wie sie gegenüber Amazon geäußert werden, habe ihr Unternehmen nichts zu tun, erklärt Monika Buttler von der Kasseler Firma AB Zeitpersonal. „Wir halten guten Kontakt zu unseren Mitarbeitern. Wir haben noch nichts Negatives gehört“, sagt sie. Die Stimmung unter ihren Kunden sei sehr gut, Fachkräfte seien momentan gefragt.

Auch Stefan Gerhards setzt seine Hoffnung auf die Zeitarbeit. Der 44-Jährige sucht eine Stelle im Metallbereich. Er habe allerdings auch Sorge, ein schlechtes Los zu ziehen. Er habe von Firmen gehört, die nur sieben Euro die Stunde zahlten.

Burkhard Walter, Arbeitgeberservice-Leiter beim Jobcenter Kassel, sieht keine Probleme. Das Lohngefüge in der Branche stimme. Oft seien schon zehn oder elf Euro Stundenlohn der Standard. Zeitarbeit diene oft als Sprungbrett in einen dauerhaften Job.

Von Peter Dilling

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