An der Uni geht Diskussion um Gedenkort für Oper der Neonazi-Mordserie weiter

Fachschaft will Platz für Yozgat

Debatte um den Namen: Die Fachschaft Soziale Arbeit schlägt vor, diesen als „Universitätsplatz“ geplanten Platz auf dem derzeit entstehenden Campus Nord zum Gedenkort zu machen. Foto: Archiv

Kassel. Die Fachschaft Soziale Arbeit der Universität Kassel fordert auf dem neu entstehenden Campus Nord einen Gedenkplatz für das Kasseler Opfer der Neonazi-Mordserie, Halit Yozgat. In einem offenen Brief an den Unipräsidenten Rolf-Dieter Postlep und Oberbürgermeister Bertram Hilgen bittet das studentische Gremium um Unterstützung für diese Idee.

Postlep sieht die Uni in dieser Frage nicht am Zug: „Der Respekt vor dem Opfer und seinen Angehörigen gebietet es, die Diskussion in Stadt und Ortsbeirat abzuwarten. Zudem habe ich große Zweifel, ob es das richtige Signal an die Familie von Halit Yozgat ist, wenn über die Namensgebung für einen Platz befunden werden soll, den es aller Voraussicht nach erst in fünf bis sieben Jahren geben wird.“

Bereits vergangene Woche hatte die Uni einen gleichlautenden Vorschlag abgelehnt, den Platz auf dem neuen Uni-Gelände nicht „Universitätsplatz“ zu nennen, sondern ihn dem Mordopfer zu widmen.

Damit wollte sich die Fachschaft nicht abfinden. Sie fordert von der Uni, ein „gesellschaftliches Zeichen“ zu setzen. So könne der zentrale Uni-Platz „Platz der Vielfalt“ genannt werden. Dort sei ein Mahnmal denkbar, das im Namen Yozgats für alle Menschen in Kassel stehen könne, die aufgrund ihrer Herkunft ermordet wurden. Aus Sicht der Fachschaft würde sich ein solches Vorhaben gut in die Uni-Pläne für einen „Weg der Erinnerung“ einfügen, der an die Geschichte des Campus in der Nazidiktatur erinnern soll.

Hintergrund der Fachschaftsinitiative ist der Wunsch des Vaters von Halit Yozgat, die Holländische Straße nach seinem Sohn zu benennen. Der damals 21-Jährige war dort in seinem Internetcafé im Jahr 2006 erschossen worden. Postlep ist daher dafür, dass die Stadt vor weiteren Diskussionen zunächst den Wunsch des Vaters prüfen solle.

Weil die Umbenennung einer Hauptverkehrsstraße mit vielen dort angesiedelten Unternehmen sowie Wohnadressen sehr aufwendig wäre, kam die Überlegung auf, auf dem Uni-Gelände einen Gedenk-ort zu schaffen.

Der Ortsbeirat Nord-Holland hat sich mit dem Thema bislang nicht beschäftigt. „Der Magistrat soll mit der Familie klären, welche Gedenkform die geeignete ist“, sagt Hannes Volz, stellvertretender Ortsvorsteher. Er findet das Anliegen von Yozgats Vater nachvollziebar.

Volz würde es begrüßen, wenn ein öffentlicher Ort des Gedenkens gefunden würde. Aber die Umbenennung der Holländischen Straße sei mit zu vielen Schwierigkeiten behaftet und auch die Idee, auf dem Campus einen Platz umzubenennen, hält Volz für wenig sinnvoll. Das Gelände sei in sich abgeschlossen und nur halb öffentlich.

Von Bastian Ludwig

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