Neuentwicklungen zum selbstbestimmten Leben

Fachtag in Kassel informierte über technische Hilfe im Alter

Selbstständig im Alter: Moderne Assistenzsysteme wie der Notrufsender am Handgelenk und spezielle PC-Programme machen dies möglich. Foto: Initiative Hausnotruf/nh

Kassel. Sie erkennen, wenn eine Person hilflos ist und sich nicht bewegt, können Licht, Rollläden und Fenster steuern, mit ihnen kann man Waren bestellen, telefonieren oder einfach ins Internet gelangen - und das im Idealfall alles über einen berührungsempfindlichen Bildschirm.

Technische Hilfssysteme können dazu beitragen, Hilfe und Pflegebedürftigkeit im Alter zu vermeiden oder zumindest aufzuschieben. Das ist eine Botschaft des zweiten Nordhessischen Fachtages „Altersgerechte Assistenzsysteme“. Allerdings reichen technische Systeme allein nicht aus. Und nicht alle sind sinnvoll.

Barrierefreies Wohnen

„Wichtig sind die Einbettung in eine altersgerecht gestaltete, barrierefreie Wohnung sowie eine Vernetzung mit dem sozialen Umfeld“, sagt Martin Bleckmann von der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen Hofgeismar, die den Fachtag zusammen mit dem Arbeitskreis Altersgerechte Assistenzsysteme und dem Regionalmanagement Nordhessen am Donnerstag im Haus der Kirche veranstaltet hatte.

Das Problem: Viele ältere Menschen haben Hemmungen, technische Hilfssysteme zu nutzen. Das liegt laut einer aktuellen Studie zum einen daran, dass sie nicht wissen, welche technischen Hilfen es überhaupt gibt. Zum anderen erschließen sich die Systeme für die Nutzer erst durch die tägliche Praxis.´Die Studie, bei der technische Hilfssysteme im Wohnumfeld auf ihre Praxistauglichkeit geprüft wurden, stellte Dr. Sibylle Meyer, Leiterin vom SIBIS Institut für Sozialforschung und Projektberatung vor. Die Konsequenz: Praxistaugliche technische Hilfssysteme und deren Möglichkeiten müssen bekannter gemacht werden. Und ältere Menschen brauchen anfangs eine kontinuierliche Begleitung, um den Umgang mit den Hilfsmitteln zu lernen. Außerdem ist neben einem barrierefreien Umfeld auch die Einbettung in ein soziales Netzwerk notwendig.

Besonders sinnvoll ist laut der Studie die Kombination von Sicherheitssystemen mit Kommunikations- und Notrufsystemen. Als weniger sinnvoll werden etwa vergleichsweise teure Sensoren erachtet, die beispielsweise am Boden oder an Teppichen Stürze registrieren.

Laut Prof. Ludger Schmidt von der Universität Kassel ist es außerdem wichtig, beispielsweise Berufstätige aus dem sozialen und technischen Bereich, darunter auch Handwerker, für dieses Thema zu sensibilisieren. Entsprechende Qualifikationskurse bietet die Universität an (www.taandem.de).

Der „Arbeitskreis Altersgerechte Assistenzsysteme“ will außerdem im kommenden Jahr in Kassel Musterwohnungen einrichten, die mit technischen Assistenzsystemen ausgestattet sind. An dem Fachtag nahmen 75 Akteure aus den für diese Thematik relevanten Einrichtungen und Institutionen teil.

Informationen im Internet: www.altersgerechte-assistenzsysteme-nordhessen.de

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