Denkmalschutz: Sanierung ist möglich

Fachwerkhaus an Leipziger: Einbrecher verursachte Rohrbruch - Einsturzgefahr?

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Einbrecher war am Werk: Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt. Der Täter war in die denkmalgeschützte Immobilie eingebrochen und hatte vorsätzlich einen Wasserschaden direkt über der Änderungsschneiderei verursacht.

Bettenhausen. Der Wasserschaden in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus an der Leipziger Straße 158 ist offenbar durch einen Einbrecher verursacht worden.

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Das hätten die Ermittlungen der Beamten des Polizeireviers Ost ergeben, erklärte Polizeisprecher Torsten Werner am Dienstag auf Anfrage. Wie die HNA berichtete, hatte es am vorletzten Wochenende einen Wasserrohrbruch in der ersten Etage des Hauses gegeben. Dabei war eine Änderungsschneiderei im Erdgeschoss, die noch einzige vorhandene Mietpartei, stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Polizei hatte das gesamte Fachwerkhaus anschließend wegen Einsturzgefahr gesperrt. Die Ermittler hätten an der Hintertür des Hauses Einbruchsspuren entdeckt, sagt Werner. Zudem sei die Wasseruhr an einer Leitung in der oberen Etage herausgedreht worden, wodurch der Schaden verursacht worden sei.

Man ermittele gegen Unbekannt wegen Einbruchs und vorsätzlicher Sachbeschädigung. Der Schaden ist von der Feuerwehr auf 100.000 Euro geschätzt worden.

Das denkmalgeschützte Haus gehört der Familie Glinicke, die daneben das Autohaus Hessen Kassel betreibt. Kürzlich waren hinter dem Haus alte Hallen abgerissen worden. Peter Glinicke erklärte am Dienstag gegenüber unserer Zeitung, dass er ursprünglich in dem Fachwerkhaus Büroräume unterbringen wollte. Von diesen Plänen habe er mittlerweile aber Abstand genommen.

„Jetzt mache ich da gar nichts mehr rein.“ Der Autohändler, dem auch der denkmalgeschützte Messinghof gehört und der in diese Liegenschaft bereits 1,4 Millionen Euro aus eigener Tasche investiert hat, will jetzt wegen des beschädigten Fachwerkhauses Kontakt mit der Denkmalschutzbehörde der Stadt Kassel aufnehmen, um zu „verhandeln“.

Dort hat man allerdings bereits eine klare Meinung über die Zukunft des Fachwerkhauses. Nach Ansicht von Heinz Kefenbaum, Chef der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Kassel, ist das Fachwerkhaus auch nach dem Rohrbruch nicht einsturzgefährdet. Ein Statiker habe das Gebäude besichtigt und geprüft.

Durch den Wassereintritt seien einige Lehmgefache aus den Decken und Wänden der Fachwerk-Konstruktion ausgespült worden, sagt Kefenbaum. Da der Wassereintritt aber nur kurzfristig gewesen und ein schleichender Prozess auszuschließen sei, ist aus Sicht des Statikers die Holzkonstruktion wahrscheinlich nicht beschädigt und das Gebäude nicht akut einsturzgefährdet.

Ein weiteres Herabfallen der durchfeuchteten Lehmgefache sei allerdings nicht auszuschließen. Für den Denkmalschutz stehe aber fest: Das Gebäude sei sanierungsfähig und die Arbeiten seien mit der Behörde abzustimmen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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