Krankenhäuser waren in Hochphase deutlich ausgelasteter

Corona-Fälle haben sich in Kassel vervierfacht - trotzdem weniger Patienten

Mediziner und Pfleger versorgen einen an Covid-19 erkrankten Patienten
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Die Patientenzahlen in Stadt und Kreis Kassel sind nicht im gleichen Maße gestiegen wie die Inzidenz (Symbolbild).

Die Infektionszahlen steigen weiter rasant: In Kassel und im Landkreis gab es in den vergangenen sieben Tagen 389 neue Corona-Fälle. Zum Vergleich: Ende Februar waren es in einer Woche noch 98 Fälle.

Kassel – Durch die gestiegenen Fallzahlen kratzt der Landkreis mittlerweile bei der Sieben-Tage-Inzidenz an der kritischen 100er-Marke, bei der weitere Einschränkungen drohen: Das Gesundheitsamt Region Kassel gab die Inzidenz für den Kreis gestern mit 99,7 an (Vortag 98,4). Etwas geringer lag sie in der Stadt mit 93,2 (Vortag 94,2). Noch vor einem Monat hatte die Stadt eine Inzidenz von gerade einmal um die 20, der Kreis von 35. Seither stieg sie stetig, teilweise sogar sprunghaft.

Hauptgrund ist die britische Variante des Coronavirus. Bei mehr als 70 Prozent der Neuinfektionen handle es sich bereits um diesen Virustyp, der häufig zu schwereren Krankheitsverläufen auch bei jüngeren Patienten führe, erklärt eine Sprecherin der DRK-Kliniken Nordhessen. Zudem gibt es meist nicht mehr einzelne Hotspots, sondern bei einem Infizierten eine Vielzahl an Kontaktpersonen, die sich ebenfalls infizieren.

Es gibt aber auch positive Nachrichten: Die Patientenzahlen in Stadt und Kreis Kassel sind nicht im gleichen Maße gestiegen wie die Inzidenz. „Das liegt auch daran, dass die Altenheime schon geimpft sind“, sagt Dr. Uwe Behrmann, Ärztlicher Direktor am Elisabeth-Krankenhaus Kassel (EKH). So lagen laut Gesundheitsamt in den vergangenen vier Wochen immer zwischen 20 und 30 Patienten im Krankenhaus. Mitte Februar waren es noch rund 80 Patienten und zur Höchstphase der Coronafälle um den Jahreswechsel etwa 200.

Allerdings zieht der Großteil der Kliniken aus dem derzeit exponentiellen Anstieg der Infizierten den Schluss, dass sich die Betten ab Ostern schnell wieder füllen werden. Wie hoch die Belastung sein wird, hänge davon ab, wie schnell die Zahl der Geimpften zunehme und ob die verschärften Schutzmaßnahmen sowie die Ausweitung der Tests Wirkung zeigten, heißt es aus den DRK-Kliniken.

Corona-Patienten in Kassel: So ist die Lage momentan in den Kliniken

Im Klinikum Kassel waren am Mittwoch auf der Covid-Intensivstation fünf Betten belegt. „Im Vergleich zu Anfang März sind das nicht mehr Patienten, allerdings spürt die Intensivmedizin die Effekte der dritten Welle auch um ein paar Wochen zeitverzögert“, sagt Prof. Ralf Michael Muellenbach, Chefarzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie.

Dr. Uwe Behrmann, Ärztlicher Direktor des Elisabeth-Krankenhauses, spricht von einer moderaten Belegung – die acht Betten der Covid-Station seien zur Hälfte belegt. Man könne bei Bedarf auf bis zu 20 Betten hochfahren, so wie es zuletzt Anfang des Jahres der Fall war. Dafür würden dann Eingriffe ohne hohe Dringlichkeit erst einmal abgesagt.

Im Diakonissenkrankenhaus sind aktuell drei von sieben Betten belegt, ein Patient wird invasiv beatmet. Vier weitere Betten stehen zur Verfügung. Pläne zur Erweiterung – auch für den Einsatz von Personal aus anderen Bereichen – „werden stets auf dem Laufenden gehalten“, erklärt der Ärztliche Direktor Dr. Andreas Fiehn.

Die DRK-Kliniken halten 16 Betten auf Normalstation und 4 Intensivbetten für Covid-Patienten bereit. Im Moment sind vier Betten auf der Covid-Normalstation belegt. Ende letzten Jahres wurden dort bis zu 39 Patienten auf der Normalstation, 11 Verdachtsfälle sowie 4 Intensivpatienten versorgt. Einer der derzeitigen Patienten habe eine Covid-Pneumonie, also einen mittelschweren bis schweren Verlauf. Bei dem zweiten Patienten sei der Verlauf mild, die kritische Infektionsdauer sei aber noch nicht erreicht, so Sprecherin Corinna Schüring.

Das Marienkrankenhaus soll „nach aktuellem Erlass“ bereit sein, zwei Intensivpatienten und sieben normalstationäre Patienten zu versorgen. „In der Spitze haben wir sechs Intensivpatienten und 20 normalstationäre Patienten versorgt“, teilt Sprecherin Kirsten Scheimann mit. Aktuell sind es vier Patienten, zwei auf Normal- und zwei auf Intensivstation.

Corona-Patienten in Kassel: Das ist die Prognose für die nächsten Wochen

Uwe Behrmann schließt sich der Prognose des Hessischen Sozialministeriums an, das an Ostern mit etwa so vielen Patienten in Kliniken rechnet wie Anfang Februar. „Damals war gut zu tun, aber nicht zu vergleichen mit der kritischen Zeit um den Jahreswechsel“, schildert Behrmann die Lage. Er sagt aber auch, dass es sein könne, dass die Fallzahlen wegen der britischen Variante noch stärker ansteigen werden als es derzeit absehbar ist. (Anna Lischper und Marie Klement)

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