Evangelische Landessynode entscheidet

Fällt die Altersgrenze für Kirchenvorstände?

Verteilten bei der letzten Synode im Frühjahr Flugblätter, um gegen den Ausschluss von über 70-Jährigen aus den Kirchenvorständen zu protestieren: (von links) Dieter Möller, Edda Winterberg, Jutta Bickel und Reinhild Ullmann. Archivfoto: Stehr

Kassel. Die Evangelische Kirche nimmt einen neuen Anlauf, um über eine Abschaffung der umstrittenen Altersobergrenze für den Kirchenvorstand zu entscheiden.

Bei der Landessynode, die in der kommenden Woche (24. bis 27. November) im Kloster Haydau in Morschen stattfindet, steht das Thema auf der Tagesordnung. Die Synodalen wollen am Mittwoch darüber abstimmen.

Bisher gilt in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) die Regelung, dass man ab dem Alter von 70 Jahren nicht mehr für den Kirchenvorstand kandidieren darf. Das ist in der Grundordnung - also der Kirchenverfassung - so vorgesehen. Gegen die Altersgrenze hatten im Vorfeld der Kirchenvorstandswahlen im vergangenen Jahr fünf über 70-jährige Mitglieder der Vellmarer Johannesgemeinde aufbegehrt, die bis dahin im Kirchenvorstand aktiv waren. Sie fühlen sich durch die Regelung diskriminiert.

Die Altersgrenze sei ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, sagt Edda Winterberg im Namen ihrer Mitstreiter. „Die Kirche ist mehr denn je auf Ehrenamtliche angewiesen, sortiert bei Kirchenvorstand aber Ältere einfach aus“, sagt die heute 72-Jährige.

Mit ihrer Klage vor dem Kirchengericht der EKKW waren sie vor einem Jahr allerdings gescheitert – aus formellen Gründen: Die Kläger hätten das Ergebnis der Kirchenvorstandswahlen anfechten müssen. Das Gericht hatte damals betont, dass nur die Landessynode über eine Änderung der Altersgrenze entscheiden dürfe. Kirchenrechtlich sei die Regelung nicht zu beanstanden.

Zwei-Drittel-Mehrheit nötig

Rudolf Schulze

Um den entsprechenden Artikel der Grundordnung zu ändern, bedarf es einer Zwei-Drittel-Mehrheit in der Synode. Das heißt 62 der 93 Synodalen müssten für die Abschaffung der Altersgrenze stimmen. Bei der Frühjahrssynode 2012, als das Thema zuletzt verhandelt wurde, gab es 57 Stimmen für eine Änderung - fünf zu wenig.

Ob diesmal eine Zwei-Drittel-Mehrheit zustande kommen wird, vermag Präses Rudolf Schulze als Vorsitzender des Landessynode nicht einzuschätzen. Möglicherweise sei durch das verstärkte öffentliche Interesse an dem Thema seit dem letzten Mal etwas in Bewegung gekommen. Grundsätzlich seien die Argumente beider Seiten aber ausgetauscht, sagt der Präses.

Die Befürworter der Altersgrenze hielten die ursprüngliche Idee, dadurch eine Überalterung der Kirchenvorstände zu vermeiden, nach wie vor für sinnvoll. „Es gibt für beide Seiten gute Argumente“, sagt Schulze. Er selbst hält die Altersgrenze für nicht mehr zeitgemäß, betont aber, dass er Respekt vor dem Abstimmungsverhalten der Synode habe.

Sollte nächste Woche die Altersgrenze tatsächlich fallen, hätte das übrigens keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Kirchenalltag: Erst bei den nächsten Vorstandswahlen 2019 käme die neue Regelung zum Tragen.

Von Katja Rudolph

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