Tram-Unfall am Weinberg

Tram-Unfall am Weinberg: Fahrer konnte nicht mehr halten

Tragischer Unfall: Die Frau war aus der Regiotram ausgestiegen und wollte die Schienen überqueren. Dabei übersah sie eine Straßenbahn, die Richtung Innenstadt unterwegs war. Foto:  Fischer

Kassel. „Der Straßenbahnfahrer hat keine Chance gehabt“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. Es sei für den Fahrer unmöglich gewesen, die Bahn der Linie 5 am Montagabend schnell genug zum Stehen zu bringen.

Eine 50-jährige Frau, die gerade aus einer Regiotram an der Haltestelle am Weinberg ausgestiegen war, lief vor der Bahn direkt über die Gleise in Richtung Karlsaue. Dabei übersah sie die Straßenbahn der Linie 5, die gerade in die Haltestelle in Richtung Innenstadt fuhr. Der tragische Unfall sei auf die Unachtsamkeit der getöteten Frau zurückzuführen, sagt Jungnitsch.

Die Fußgängerin habe beim Überqueren der Gleisanlage offenbar sowohl das Warnschild als auch die Wechselblinker an der Haltestelle missachtet, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG). Darüber hinaus will er sich zum laufenden Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Ein Gutachter wurde eingesetzt, zudem wird der Fahrtenschreiber ausgewertet.

Bilder vom Unfallort

Weinberg: Frau stirbt nach Tram-Unfall

Bei Tempo 50: 39 Meter Bremsweg

Bei der Straßenbahn der Linie 5, vor die am Montagabend eine 50-jährige Frau lief und dabei getötet wurde, handelt es sich laut KVG-Sprecher Ingo Pijanka um eine Niederflurbahn der ersten Generation. Solche Straßenbahnen wiegen um die 25 Tonnen. Bei einer Gefahrenbremsung gelten folgende Werte: Ist die Bahn mit Tempo 50 unterwegs, betrage der Bremsweg 39 Meter, bei Tempo 40 betrage er 27 Meter, bei Tempo 30 noch 17 Meter und bei Tempo 20 neun Meter. (use)

„Der Unfall ist schlimm für die Angehörigen des Opfers und schlimm für die Menschen, die in das Geschehen involviert sind“, sagt Pijanka. Das Kriseninterventionsteam der KVG habe sich am Montagabend um beide Mitarbeiter, den 31-jährigen Tramfahrer und den Regiotramfahrer, gekümmert.

Eine Autofahrerin, die am Montagabend von der Frankfurter Straße links in die Landaustraße abbiegen wollte, beobachtete den Unfall, als sie an der roten Ampel wartete. „Ich habe gesehen, wie die Frau die Schienen überquerte und die Bahn von unten kam. Ich habe noch gedacht, warum läuft sie weiter? Wahrscheinlich hat sie die Bahn nicht gesehen und gehört.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Polizei: Keine Zunahme von Tram-Unfällen

Erst am Sonntagmittag war ein Tramunfall mit einem 56-jährigen Mann in der Innenstadt passiert. Der Mann, der sich an der Haltestelle Friedrichsplatz aufhielt, war beim Umdrehen ins Straucheln geraten und vor beziehungsweise gegen eine Bahn gefallen. Sein Kopf wurde zwischen Straßenbahn und Bordstein eingeklemmt, er erlitt schwere Schädelverletzungen. Laut Polizei gab es bei diesem Unfall keine Fremdeinwirkung.

Zwei schwere Bahnunfälle an zwei Tagen. Dadurch könne leicht das Gefühl entstehen, dass es eine Zunahme von Straßenbahnunfällen in Kassel gebe, sagt Achim Scholz, Leiter der Verkehrsinspektion im Polizeipräsidium Nordhessen. Dies stimme aber nicht, sei nur ein subjektives Gefühl. „Wir haben keine Häufung.“ Diese Unfälle würden aber besonders wahrgenommen, weil sie mit einer gewissen Dramatik verbunden seien.

Das liegt sicherlich auch daran, dass sie kaum hätten verhindert werden können. Die Polizei analysiere alle Unfallhergänge und versuche, daraus Lehren zu ziehen, sagt Scholz. Aber wie es derzeit scheine, hätten weder der schwere Unfall am Sonntagmittag noch der tödliche Unfall am Montagabend durch bauliche Maßnahmen verhindert werden können.

In dem einen Fall sei der Mann unglücklich gestürzt, in dem anderen Fall die Frau einfach über die Gleisanlage gelaufen, obwohl sie die Bahn hätte eigentlich sehen müssen.

Die Frage, warum es zu dem tödlichen Unfall kommen konnte, könne wohl niemand mehr beantworten, sagt der Leiter der Verkehrsinspektion. (use)

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