Alter Super-Kraftstoff ist weiter der Standard – E10 hat nur etwa zehn Prozent Anteil

Fahrer scheuen Biosprit

Kein Thema mehr: Die Agip-Tankstelle an der Sandershäuser Straße war eine der ersten, die im vergangenen Frühjahr Super E10 angeboten haben. Inzwischen fragen nur noch wenige Autofahrer, ob ihr Fahrzeug den neuen Kraftstoff verträgt, berichtet Pächterin Mandy Adler. Archivfoto: Janz

Kassel. Drei Cent ist der Biosprit E10 billiger als traditionelles Super. Wegen der aktuell hohen Preise an der Zapfsäule könnten die Autofahrer nun freiwillig zum umstrittenen neuen Kraftstoff greifen. Doch sie scheuen noch immer vor dem Biosprit zurück.

Nur etwa jeder zehnte Wagen mit Benzinmotor hat das billigere E10 im Tank. Das hat eine stichprobenartige Umfrage der HNA an Kasseler Tankstellen ergeben. Damit liegen die Kasseler Autofahrer im Bundestrend: Im November betrug der Anteil von E10 am gesamten verkauften Benzin lediglich elf Prozent. Ursprünglich waren Mineralölkonzerne und Politik vom umgekehrten Verhältnis zwischen E10 und klassischem Super E5 ausgegangen.

„Die Akzeptanz nimmt aber langsam zu“, sagt Frank Buchholz von der Star-Tankstelle an der Altenbaunaer Straße. Er verkauft E10 so gut wie Super Plus, das als Hochleistungskraftstoff mindestens sieben Cent teurer ist. Buchholz glaubt, dass die Autofahrer zunehmend mehr Vertrauen zum neuen Biosprit fassen, nachdem sich die Befürchtungen, er würde Motorschäden verursachen, nicht bewahrheitet hätten.

Das ursprüngliche Ziel, E10 solle das alte Super mit dem halben Anteil Bioethanol ersetzen, ist derzeit aber noch in weiter Ferne. „Der Standard ist und bleibt E5“, sagt Hans-Jürgen Kurz, der die freie BFT-Tankstelle an der Erzbergerstraße betreibt. Er ärgert sich noch immer, dass die E10-Einführung, die ihn mehrere Tausend Euro für die Umrüstung der Tankstelle gekostet habe, viele Kunden verunsichert habe.

Noch kein E10 bei Esso

An den Kasseler Esso-Stationen kann der neue Kraftstoff bisher noch nicht getankt werden. Sprecherin Gabriele Radke erklärte, E10 solle im Laufe dieses Jahres flächendeckend angeboten werden – im Einklang mit der Nachfrage der Kunden.

Andere Konzerne waren schneller. Während die Jet-Tankstellen Februar 2011 die ersten E10-Anbieter in Kassel waren, haben Aral und Shell im zweiten Halbjahr nachgezogen. „Die Kunden fragen kaum noch nach, ob ihr Auto geeignet ist“, sagt Bodo Wuttke, Pächter der Shell-Tankstelle an der Leipziger Straße. Er nimmt an, dass der Preisunterschied von drei Cent zumindest bei einigen Autofahrern den Ausschlag für den billigeren Biosprit gibt.

Das glaubt auch Agip-Pächterin Mandy Adler an der Sandershäuser Straße. Sie verkauft inzwischen mehr E10 als Super Plus. Als sie den neuen Sprit im März erstmals anbot, war das noch anders. Auch wenn E10 noch nicht der erhoffte Standard ist, sei zumindest die Aufregung vorbei: „Es regt sich keiner mehr auf“, sagt Adler. Artikel links

Von Marcus Janz

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