Zahl der Übergriffe nimmt insbesondere in Bussen zu

Schläge für KVG-Mitarbeiter: Fahrer steht unter Schock

Kassel. Am Tag nach dem gewaltsamen Übergriff eines 29-jährigen Fahrgastes auf einen 37-jährigen Busfahrer der KVG steht das Opfer noch unter Schock. „Er ist im Krankenhaus wegen einer Schulterprellung und einer Schwellung am Ohr behandelt worden“, sagte KVG-Sprecherin Heidi Hamdad.

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Am heutigen Mittwoch wolle er seinen Dienst wieder antreten. Körperliche Attacken gegen KVG-Mitarbeiter seien zwar nichts Alltägliches, aber insbesondere im Busverkehr sei eine Zunahme zu beobachten. Wie die HNA Dienstag berichtete, hatte der Busfahrer am Montag auf der Mauerstraße eine Vollbremsung machen müssen. Dennoch kam es zu einem Zusammenstoß mit einem Auto, dessen Fahrer dem Bus die Vorfahrt genommen hatte. In der Folge stürzten mehrere Fahrgäste – darunter auch die Freundin des 29-jährigen Kasselers.

„Ich bring dich um“

„Unser Busfahrer hat berichtet, dass er von dem Mann unvermittelt von hinten angegriffen und mehrfach gegen den Kopf geschlagen wurde“, sagt Hamdad. Der Täter habe ihm mit den Worten gedroht: „Ich bring dich um.“ Der 37-Jährige habe daraufhin den Alarmknopf im Bus gedrückt und einen Notruf an die Leitstelle abgesetzt. Durch das Eingreifen eines anderen Fahrgastes sei Schlimmeres verhindert worden. Kurz darauf sei die Polizei vor Ort gewesen, die ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung einleitete.

„Der Fahrer ist erst seit diesem Jahr bei uns und für ihn waren es gleich zwei erschreckende Ereignisse: Erst der Unfall, dann der Angriff“, sagt Hamdad. Für ihn sei es der erste Übergriff durch einen Fahrgast gewesen.

Über die Zahl körperlicher und verbaler Attacken gegen Fahrer und Kontrolleure der KVG führt das Verkehrsunternehmen keine Statistik. Es sei aber eine Zunahme vor allem in Bussen zu beobachten. Dies liege vermutlich daran, dass die Straßenbahnfahrer in einer abgeschlossenen Kabine sitzen. Zudem hätten Busfahrer durch den Fahrkartenverkauf mehr direkten Kontakt mit den Fahrgästen.

In Ballungszentren schlimmer

Hamdad schränkt ein: „Im Vergleich zu den Zuständen in Ballungszentren ist es bei uns noch ruhig.“ Angesichts der steigenden Fahrgastzahlen (aktuell 43 Mio. jährlich) sei eine Zunahme der Gewalt aber erklärbar. „Schlimm sind vor allem die psychischen Folgen. Es ist schrecklich, wenn sich Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz nicht sicher fühlen“, sagt Hamdad.

Die KVG bietet Mitarbeitern Deeskalations-Trainings an. Alle Trams sind mit zwei Überwachungskameras ausgestattet. An Wochenenden fahren Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes auf ausgewählten Bus- und Bahnlinien mit.

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © Archiv / Koch

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