Radeln ist cool geworden

Zum Welttag des Fahrrads: Darum ist Kassel beim Radfahren spitze

Radfahren kann man bei uns fast überall: Porträt des Grafikdesigners Joel Haustinger über den Dächern aus Ulf Schaumlöffels Buch „Aufgesattelt – Kassel auf dem Weg zur Fahrradstadt“.
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Radfahren kann man bei uns fast überall: Porträt des Grafikdesigners Joel Haustinger über den Dächern aus Ulf Schaumlöffels Buch „Aufgesattelt – Kassel auf dem Weg zur Fahrradstadt“.

Der 3. 06.2020 ist Welttag des Fahrrads, doch nicht nur an diesem Tag ist Radfahren eine runde Sache. Vor allem in Kassel, das teilweise sogar Kopenhagen und Münster abhängt.

  • Der 03. Juni ist der Welttag des Fahrrads.
  • Kassel hängt beim Radfahren teilweise sogar Münster und Kopenhagen ab.
  • Sieben Gründe, warum Radfahren in Kassel spitze ist.

Kassel - Spätestens seit Corona gilt Radfahren als perfekte Fortbewegungsart. Eigentlich bräuchte es den Welttag des Fahrrads der Vereinten Nationen gar nicht, der am 3. Juni weltweit begangen wird. Weil aber immer noch zu viele Menschen ihr Rad im Keller stehen lassen (oder weder Rad noch Keller haben), nennen wir sieben Gründe, warum Radfahren eine runde Sache ist.

1. Radfahren ist gesund: Vor einigen Jahren porträtierte der ADFC für eine Plakataktion Kasseler und ihr Rad. Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann sagte damals: „Ich fahre Fahrrad, weil ich schnell ins Theater komme und viel an der frischen Luft bin.“ Bewegung an der frischen Luft ist so gesund, dass Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, laut Studien ein Drittel weniger Krankheitstage aufweisen.

2. Radfahren macht sexy und reich: Wer würde das nicht gern haben? Einen knackigen Hintern, mit dem Radfahren Geld verdienen und nebenbei noch die Umwelt retten? Angela Gonzales aus Kassel verspricht genau das mit ihrem Start-up Bikuh. In Frankfurt und anderen Städten vermittelt ihre Firma Unternehmen, deren Namen Radler in Werbescheiben am Fahrrad gegen Geld durch die Stadt fahren können. Einziger Nachteil: In der Heimatstadt von Gonzales gibt es das Angebot noch nicht. In Kassel wird man als Radler nicht reich, nur sexy. Es sei denn, man fährt Rennrad und muss sich dazu in enge Hosen und Trikots zwängen, sodass man aussieht wie eine Presswurst.

Welttag des Fahrrads in Kassel: Tatort-Kommissar radelte durch Kassel

3. Radfahren ist cool: In dem im vorigen Jahr erschienenen Bildband „Aufgesattelt – Kassel auf dem Weg zur Fahrradstadt“ (Euregio-Verlag, 120 Seiten, 12,90 Euro) stellte der Fotograf Ulf Schaumlöffel Kasseler Radfahrer vor. Anders als die ältere ADFC-Kampagne sahen die Bilder nun aus wie aus einem hippen Modemagazin. Auch im ARD-„Tatort“ ist Radfahren mittlerweile cool. Früher fuhren nur die Deppen mit dem Velo, heute hat jeder Kommissar ein schickes Fixie im Flur stehen. Ermittler Paul Brix radelte gefühlt sogar 90 Minuten durch den „Tatort“ aus Kassel. Wie gut, dass die Zuschauer nicht die Polizei anriefen, als er sogar durch den Bergpark raste.

4. Radfahren verändert die Stadt: Der gebürtige Göttinger Felix Weisbrich sorgt als Amtsleiter in Berlin gerade für Aufsehen. Wegen Corona hat er in Friedrichshain-Kreuzberg temporäre Radstreifen errichten lassen. Autofahrer ärgern sich. Weisbrich sagt: „Wenn ich breite Straßen baue, kriege ich viel Autoverkehr. Wenn ich Radfahrstreifen ausweise, bekomme ich mehr Radfahrer.“ Ob seine Rechnung aufgeht, wird auch an der Uni der einstigen Autostadt Kassel erforscht. Dort gibt es bald eine Radverkehr-Professur. 

Welttag des Fahrrads in Kassel: Anteil der Radler in Kassel wächst

5. Radfahren macht die Luft sauber: Weil wegen des Corona-Shutdowns weniger Autos unterwegs sind, ist die Luft in Kassel besser geworden. Auf Dauer lässt sich der Trend nur halten, wenn der Anteil der Radler am Gesamtverkehr weiter wächst. Von 2008 bis 2018 gab es immerhin schon einen Anstieg von sechs auf elf Prozent.

6. Mit Radfahren kann man anderen eine Freude bereiten: Die Hilfsorganisation World Bicycle Relief ruft dazu auf, am heutigen Welttag des Fahrrads Gutes mit dem Rad zu tun. Etwa einen Einkauf für die Nachbarn erledigen – allerdings eben nicht mit dem SUV, sondern mit dem Rad. Fotos davon sollen auf Instagram und Co. mit dem Hashtag #CyclingActsofKindness gepostet werden.

Welttag des Fahrrads in Kassel: Radfahren in Kassel ist aufregend

7. Kassel ist das wahre Radparadies: Früher haben viele Radfahrer die Stadt wegen der Berge gehasst. Heute helfen E-Bikes die Anstiege hinauf. Und es gibt Radfahrer, die die Berge zu schätzen wissen. Für sie ist eine Radfahrt wie das Leben: Ein Auf und Ab ist viel interessanter als ebene Monotonie. Darum sagt Scott Shepherd, der eine Rad-Werkstatt in Kassel-Wehlheiden eröffnet hat. „Es ist ein Traum, hier zu fahren. Es gibt viel Grün, Berge, und in nur 15 Minuten ist man am Stadtrand.“ In flachen Radparadiesen wie Münster und Kopenhagen kann man vom aufregenden Kassel nur träumen.

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