Technische Probleme nicht vorhersehbar

Polzin: Konrad ist Forschungsprojekt

Gunnar Polzin Foto: Archiv

Kassel. Einer der Wegbereiter für Konrad war der damalige Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamts, Gunnar Polzin. Seit Juli ist der bekennende Radverkehrsfan als Leiter der Verkehrsabteilung nach Bremen gewechselt. Für den von Pannen gesäumten Weg von Konrad - der Starttermin ist jetzt in das Frühjahr 2012 verlegt worden - fühlt sich Polzin offenbar nicht verantwortlich.

Er verfolge die aktuelle Entwicklung nicht mehr im Detail. „Ich habe jetzt einen anderen Job.“ Wie berichtet, gibt es technische Probleme bei der Datenübertragung über die Funkboxen an den Ausleihstationen. Zuvor hatte sich die Einführung des Systems schon mehrfach verzögert.

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Bei Konrad handele es sich um ein Forschungsprojekt, sagte Polzin gegenüber der HNA. „Ziel war eine schlanke Infrastruktur mit wenig Technikeinsatz.“ Dafür habe man auf eine neuartige technische Lösung setzen müssen. Dabei könne es leider passieren, dass unvorhergesehene Probleme auftauchten.

Auf die Frage, ob womöglich blind ein System eingekauft worden sei, sagte der ehemalige Chef des Straßenverkehrsamts, dass bei Vertragsabschluss „detaillierte Leistungsverzeichnisse“ der Anbieter vorgelegen hätten. Die einzelnen Komponenten des Systems hätten andernorts einwandfrei funktioniert. In exakt der Kombination wie in Kassel sei die Technik aber noch nicht zum Einsatz gekommen. Ein vorheriger Praxistest des Kasseler Systems, sagte Polzin auf Nachfrage, sei nicht möglich gewesen.

So traten die Probleme erst kurz vor dem angepeilten Eröffnungstermin Ende September zu Tage - pikanterweise, als Stadtkämmerer und kommissarischer Stadtbaurat Dr. Jürgen Barthel, ein ausgesprochener Kritiker des Fahrradverleihsystems, Konrad persönlich testete, um zum offiziellen Start nicht von Pannen überrascht zu werden.

Ob Konrad, wenn er ab dem Frühjahr rollt, auch länger auf Kassels Straßen bleibt, ist offen. Der Magistrat knüpft einen Weiterbetrieb an die Wirtschaftlichkeit des Systems. Der Bund, das machte der Vertreter des Verkehrsministeriums gestern auf Nachfrage klar, wird sich über die 1,5 Millionen Euro Anschubfinanzierung hinaus nicht an einer Förderung beteiligen. Deshalb werde man über die Vermietung von Werbeflächen an den Rädern nachdenken, um zusätzliche Einnahmen zu generieren, sagte Kassels Radverkehrsbeauftragter Gerhard Späth. (rud)

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