2013 waren es in der Stadt 196 Fälle - im Vorjahr 185

Fahrradclub besorgt über Radunfälle

Dieser Unfall endete tödlich: Eine 71-jährige Radfahrerin wurde am 9. März in Lohfelden von einem Traktor erfasst und starb. Ein Polizist trägt ihr Rad von der Unfallstelle. Archivbild: Fischer

Kassel. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Stadt und Kreis Kassel will vor Beginn der Radsaison auf die Gefahren im Verkehr hinweisen. Der Club ist besorgt über die jüngste Häufung von HNA-Berichten über Radunfälle.

Zuletzt hatte es in Stadt und Kreis Kassel etliche Radunfälle mit Verletzten, aber auch einer Toten gegeben. Als Mitursache sieht der ADFC eine in Kassel oft unübersichtliche Regelung für den Radverkehr.

Noch liegen keine aussagekräftigen Polizeidaten über die Radunfälle in den ersten Monaten des neuen Jahres vor, aber 2013 gab es zumindest im Stadtgebiet gegenüber 2012 eine leichte Zunahme der Unfälle von 185 auf 196. In etwa Drei Vierteln der Fälle sind Autos daran beteiligt gewesen.

Aus Sicht des ADFC-Vorsitzenden Gerhard Peter sind die Regelungen für den Radverkehr an vielen Stellen zu uneindeutig. „Viele empfinden das Radfahren in Kassel als gefährlich. Ich beobachte immer wieder gerade auch ältere Radfahrer, die auf Fußwegen fahren, weil sie sich auf der Straße offenbar unsicher fühlen“, sagt Peter. Radfahrer dürften nicht von der Straße verdrängt werden, sonst seien Unfälle mit Fußgängern programmiert.

Sein ADFC-Kollege Lennart König beschreibt die Stadt als „Flickenteppich aus Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Radwegen und kombinierten Rad- und Fußwegen“, weshalb viele nicht mehr durchblickten. Er räumt aber ein, dass sich die Infrastruktur für Radfahrer in den vergangenen Jahren verbessert habe. Weil die Situation für den Radverkehr aber nur dann verbessert werde, wenn Straßenbauprojekte ohnehin anstünden, dauere der Prozess sehr lange.

Lennart König vom ADFC sieht die Radfahrer in Kassel deshalb in einer „Sandwich-Position“. Für Fußgänger und Autofahrer gebe es klar definierte Bereiche, für Radfahrer oft nicht.

Weil der Ausbau der Rad-Infrastruktur noch Jahre dauern werde, sei gegenseitige Rücksichtnahme nötig, sagt Peter und weiter: „Wir müssen raus aus der alten Konfrontation Autofahrer gegen Radfahrer.“

Als Mitursache für die vielen Unfälle macht der ADFC-Vorsitzende auch den relativ geringen Anteil der Radfahrer am Stadtverkehr aus. Dieser lag zuletzt bei sieben Prozent (Berlin 15 Prozent). Wenn viele Radfahrer in einer Stadt unterwegs seien, dann rechneten Autofahrer eher mit ihnen und übersähen sie nicht.

Von Bastian Ludwig

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