Ärger über nicht funktionierenden Aufzug

Fahrstuhl tagelang defekt: Ältere Bewohner konnten Wohnungen kaum verlassen

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Machte auf das Problem im Philippinenhöfer Weg 24 aufmerksam: Björn Ihalainen, der sich über den defekten Aufzug ärgerte. 

Kassel. Zweieinhalb Wochen lang war der Aufzug eines Hochhauses in Kassel kaputt. Ein Problem war das vor allem für die älteren Bewohner.

Björn Ihalainen wohnt nicht in jenem Haus, um das es hier gehen soll. Aber er kennt als Nachbar das Problem des siebengeschossigen Gebäudes im Philippinenhöfer Weg 24, Stadtteil Philippinenhof-Warteberg, in dem – wenn der Blick auf die Klingeln nicht trügt – 48 Parteien leben. Dieses Problem ist Björn Ihalainen immer vor Augen geführt worden, wenn er zuletzt seine Freundin besucht hat, die dort im fünften Stock zu Hause ist. Der Aufzug dort? Defekt, zweieinhalb Wochen lang. Erst gestern Abend soll er wieder in Betrieb genommen worden sein.

Für die Bewohner war die lange Wartezeit zuvor aber ein großes Ärgernis. Björn Ihalainen verweist dabei nicht so sehr auf sich selbst, sondern auf die älteren Menschen, die in den oberen Stockwerken wohnen und teils auf Gehhilfen angewiesen sind. Für sie sei es in letzter Zeit fast unmöglich gewesen, ihre Wohnung zu verlassen und nach draußen zu gehen.

Karte: Hier ist der Philippinenhöfer Weg 24

Hinzu kommt, dass sich in dem Gebäude der Stadtteiltreff Philippinenhof befindet. Hier kommen regelmäßig vornehmlich ältere Menschen zusammen. Für sie ist der Weg selbst in den ersten Stock beschwerlich, wenn nicht sogar unmöglich, sobald sie auf die Treppe angewiesen sind. Eine Mitarbeiterin berichtet davon, dass zwei Ältere, die einen Rollator nutzen, zuletzt nicht an den Treffen teilnehmen konnten. Ein älterer Mann habe 35 Minuten gebraucht, um die Stufen bis zu der Einrichtung im ersten Stock zu bewältigen – und das auch nur mit Unterstützung.

Das zeigt, welche Folgen ein plumper Ausfall eines Aufzugs haben kann. Und es stellt sich die Frage: Was war denn da los? Warum brauchte es so lange, bis der Fahrstuhl wieder in Betrieb genommen wurde? Die Antwort darauf führt schnell zur GWG, der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt, die für das Gebäude zuständig ist. Geschäftsführer Peter Ley bezeichnete die Situation am Dienstag als „unendlich ärgerlich“.

Die für die Wartung des Aufzugs zuständige Firma habe den Aufzug stillgelegt. Sie sei vertraglich verpflichtet, die GWG in solchen Fällen unverzüglich zu unterrichten. Dies sei diesmal nicht geschehen. Auch in der Folge habe es Probleme mit der Firma gegeben, obwohl ein mit ihr entwickelter Notfallplan bis dahin hervorragend funktioniert habe. Als Ursache für den Ausfall des Fahrstuhls nannte Ley einen defekten Frequenzumrichter – „ein sehr komplexes Bauteil, das individuell nachgefertigt werden musste“.

Zuständig für den Aufzug ist die Firma VTS

Zuständig für den Aufzug ist die Firma VTS in Witzenhausen. Auch deren Chef Joachim Völlmar bezeichnete die Lage am Mittwoch als komplett unbefriedigend. Die Zeit des Stillstandes begründete er damit, dass das entsprechende Ersatzteil nicht verfügbar gewesen sei. Und dann könne es schon mal zu solch einer misslichen Wartezeit kommen. Um sie auszuschließen, müsste man im Prinzip in jedes Wohngebäude einen zweiten Aufzug bauen.

Dass seine Firma die GWG nicht rechtzeitig informiert habe, dem widersprach Völlmar. Der Aufzug sei an einem Freitag stillgelegt worden, was per Aushang mitgeteilt worden sei. Am darauffolgenden Montag sei die Information dann auch gesondert an die GWG gegangen.

Und nun? Sei das Ersatzteil da, erklärte Völlmar am Mittwoch. Er und Ley sagten, dass der Aufzug am Abend wieder in Betrieb genommen werden sollte – einen Tag nach der Anfrage unserer Zeitung zum Zustand im Philippinenhöfer Weg 24.

Mietminderung, weil Aufzug nicht geht

Die Mieter im Phillippinenhöfer Weg 24 mussten zweieinhalb Wochen ohne einen funktionierenden Aufzug auskommen. Was können sie dagegen tun? Karl-Heinz Schwabe, Rechtsberater des Mieterbundes Nordhessen, sagt, sie könnten eine Minderung in Höhe von zehn Prozent ihrer Bruttomiete anstreben, sollte der Fahrstuhl den ganzen Monat ausfallen – ansonsten entsprechend weniger.

Dieses Video ist Teil der Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Einen Schadensersatzanspruch erkennt Schwabe in einem solchen Fall dagegen in der Regel nicht. Nur wenn der Vermieter etwas falsch gemacht hätte, käme dieser womöglich infrage. Dann wäre zu überlegen, ob der Vermieter auch für Kosten aufkommen muss, die entstehen, wenn jemand Hilfe benötigt, um aus seiner Wohnung nach draußen oder von draußen in seine Wohnung zu gelangen.

Aus der bloßen Tatsache, dass ein Aufzug nicht funktioniert, ließe sich solch ein Anspruch aber noch nicht ableiten.

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