Anwältin spricht von Justizskandal

Fall Göker: Verteidigerin von Mitangeklagtem schreibt an Bouffier

Kassel. Der Fall Mehmet Göker, gegen den es womöglich keinen Prozess geben wird, schlägt weiter Wellen. Jetzt hat sich die Anwältin von Gökers Mitangeklagtem zu Wort gemeldet.

Dr. Claudia Keiser, Anwältin von Vincent Ho, einstiger Generalbevollmächtigter des Versicherungsvermittlers MEG und heutiger Mitangeklagter von Göker hat sich in einem offenen Brief an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Justizministerin Eva Kühne-Hörmann gewandt.

Denn: Wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen ist nicht nur Mehmet Göker, sondern auch seine frühere rechte Hand Vincent Ho angeklagt. Er saß deswegen im Jahr 2012 sieben Monate in Untersuchungshaft, seit dem 10. April 2012 ist bei der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kassel eine Anklage anhängig.

Claudia Keiser

Keiser: „Seitdem muss Herr Ho mit dem öffentlich bekannten Vorwurf leben, ohne zu wissen, ob und wann es zu einer Verhandlung kommt.“ Ohne eine Entscheidung darüber, ob das Verfahren eröffnet werde, bleibe Vincent Ho der Angeschuldigte – mit allen Konsequenzen im privaten und beruflichen Bereich, kritisiert seine Verteidigerin.

Wie berichtet, wird es nach Auskunft des Kasseler Landgerichts vorerst keine Verhandlung gegen Mehmet Göker geben. Das läge vor allem daran, dass er in der Türkei lebe und die ihn nicht nach Deutschland ausliefere. Zudem sei die Wirtschaftsstrafkammer gut ausgelastet und habe kurzfristig Personalprobleme. Somit konzentriere man sich auf andere Verfahren. Ohne Göker könne man aber nicht allein gegen Vincent Ho einen Prozess führen, heißt es bei Gericht.

Anwältin Claudia Keiser lässt diese Argumente nicht gelten. Sie kritisiert die Kasseler Staatsanwaltschaft, die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt, Ermittlungsrichter und nicht zuletzt das hessische Justizministerium. Überall seien Fehler gemacht und nicht mit Nachdruck das Verfahren vorangetrieben worden. Insgesamt kommt sie zu der Beurteilung: „Hier geht es nicht um Personalprobleme beim Landgericht, sondern um einen Justizskandal.“ (tho)

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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