Spur führt nach Norddeutschland

Fall Lübcke: Bundesanwaltschaft überprüft, ob Tatwaffe aus Combat-18-Kreisen stammt

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Wurden 2003 sichergestellt: Vier Revolver des Herstellers Rosse. Mit einer solchen Waffe soll auch Lübcke erschossen worden sein.

Im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke verfolgt die Bundesanwaltschaft jetzt eine Spur nach Norddeutschland.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hatte berichtet, dass die Bundesanwaltschaft eine Akte aus Schleswig-Holstein angefordert hat.

Überprüft wird laut des Medienberichtes, ob die Tatwaffe, ein Revolver des Herstellers „Rossi“, Kaliber .38 Spezial, möglicherweise ursprünglich von der rechtsextremen Gruppe „Combat 18 Pinneberg“ stammt.

Die Ermittler sollen sich dabei auf Vorfälle aus dem Jahr 2003 konzentrieren: Am 5. April nahm Stephan Ernst, der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke an einer Demonstration gegen eine Wehrmachtsausstellung in Neumünster teil.

Dort packte Ernst bei Ausschreitungen eine Frau am Hals und schleuderte sie weg. Er wurde wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Demo 2003 war von Peter Borchert, damals NPD-Chef und Mitglied von „Combat 18 Pinneberg“ angemeldet worden. Bei Durchsuchungen von Wohnungen und Treffpunkten von „Combat 18 Pinneberg“ waren im Oktober 2003 dann unter anderem vier Revolver der Marke Rossi sichergestellt worden (siehe Foto). Unklar ist, ob damals alle Waffen der Gruppe gefunden werden konnten.

Borchert, der auch als Waffenhändler bekannt ist, hatte laut des Medienberichts gesagt, dass er nicht mehr sicher wisse, wie viele Revolver er damals besessen habe. Stephan Ernst hatte in seinem inzwischen zurückgezogenen Geständnis ausgesagt, dass er die Tatwaffe 2016 erworben hatte. Bislang war davon ausgegangen worden, dass der Verkäufer der aus dem westfälischen Borgentreich stammende Waffenhändler Elmar J. gewesen sei, der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt. Die neuen Erkenntnisse stellen dies ein Stück weit infrage.

Gegenüber dem RND dementierte Neonazi Borchert einen persönlichen Kontakt zu Stephan Ernst. Ob er dem Tatverdächtigen allerdings auf einer der vielen Veranstaltungen begegnet sei, wollte er nicht ausschließen.

Es gibt allerdings eine andere Verbindung zwischen Kassel und Schleswig-Holstein: Borchert kennt nämlich den Kasseler Neonazi Bernd T., der aus Bad Segeberg stammt, weil beide zeitgleich eine Jugendstrafe in der Justizvollzugsanstalt in Neumünster verbüßten.

Seit seiner Haftentlassung vor einigen Wochen ist Bernd T. von Kassel wieder in seine alte Heimat nach Bad Segeberg gezogen, heißt es in den Lübecker Nachrichten. Das dortige Bildungsministerium habe eine Anweisung ausgegeben, die Polizei zu rufen, wenn sich T. dem Schulgelände nähere. Eine Schule habe bereits ein Hausverbot ausgesprochen. Der Neonazi soll in Bad Segeberg bereits eine Gruppe von Personen um sich gescharrt haben und versuchen, Jugendliche für seine Zwecke zu rekrutieren. T. und auch Stephan Ernst werden der rechtsextremen Szene um die Combat-18-Bewegung zugeordnet.

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