Angeklagt ist der Bruder des Opfers

Fall Mehtap Savasci: Am Montag beginnt Mordprozess in Kassel

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Mehtap Savasci

Kassel. Der Andrang wird groß sein: Am Landgericht in Kassel beginnt am Montag der Prozess um die getötete Kasselerin Mehtap Savasci. Auf der Anklagebank sitzt ihr Bruder.

Zahlreiche Medienvertreter und viele Zuschauer werden am Montag, 20. Juli, im Saal D130 im Kasseler Landgericht erwartet. Vor der sechsten Strafkammer unter Vorsitz von Richter Volker Mütze beginnt wohl einer der Aufsehen erregendsten Mordprozesse der letzten Jahre in Kassel. Es geht um die Tötung der türkischstämmigen Kasselerin Mehtap Savasci. Der gewaltsame Tod der 40-jährigen Frau, die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde im Kasseler Rathaus war, hatte für Aufsehen weit über Kassels Grenzen hinaus gesorgt. „Wir verteilen Platzkarten an die Presse und die Zuschauer“, sagt Jan Blumentritt, Sprecher des Kasseler Landgerichts.

Angeklagt ist der 51-jähriger Bruder des Opfers wegen des Verdachts des Mordes sowie eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die Staatsanwaltschaft sieht in diesem Fall das Mordmerkmal niedrige Beweggründe als erfüllt.

Der Mann aus Maintal steht im dringenden Verdacht, am 7. Oktober vergangenen Jahres seine Schwester Mehtap Savasci an einem Ort zwischen Kassel und Wiesbaden durch zwei Schüsse in die Brust getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass „familiäre Streitigkeiten das Motiv der Tat“ waren, so Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel.

Die 18-jährige Tochter der Getöteten wird als Nebenklägerin in dem Prozess gegen ihren Onkel auftreten.

Die Staatsanwaltschaft Kassel wirft dem Mann vor, dass er seine 40-jährige Schwester am 7. Oktober 2014 vor ihrer Wohnung an der Pfeifferstraße im Kasseler Stadtteil Wehlheiden entführt und anschließend getötet hat. Laut Staatsanwaltschaft nutzte der Verdächtige für die Entführung einen weißen VW Caddy mit Offenbacher Kennzeichen. In dem Fahrzeug seien von Mitarbeitern des Landeskriminalamtes belastende Spuren gefunden worden.

Aufgrund der Ermittlungen habe es zudem Hinweise gegeben, dass sich der Bruder noch am Nachmittag und am Abend des 7. Oktober für rund sechs Stunden im Bereich der Kleingartenanlage am Moltkering Ecke Hans Bredow-Straße in Wiesbaden aufgehalten habe. Dort wurde am 7. November auch der Leichnam der 40-jährigen Frau aus Kassel gefunden. Zuvor hatte die Polizei wochenlang nach Mehtap Savasci gesucht.

Ihr Bruder sitzt bereits seit dem 14. Oktober in der Justizvollzugsanstalt Kassel I in Untersuchungshaft. Bislang hat er offenbar zu den Vorwürfen geschwiegen.

Zu den bislang 16 angesetzten Hauptverhandlungsterminen sind 51 Zeugen und drei Sachverständige vor die sechste Strafkammer geladen.

„Besonders verachtenswert“

Niedrige Beweggründe werden als ein Mordmerkmal im Paragraphen 211 Strafgesetzbuch genannt. Niedrige Beweggründe sind Motive, die nach allgemeiner rechtlich-sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehen, durch hemmungslose Eigensucht bestimmt und deshalb besonders verachtenswert sind. Ob ein Beweggrund in diesem Sinne als „niedrig“ einzustufen ist, beurteilt sich aufgrund einer Gesamtwürdigung aller maßgebenden Tatumstände.

Der Wortlaut des Paragraphen 211 Stgb lautet:

(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.

(2) Mörder ist, wer

aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.

Der Prozess beginnt am Montag, 20. Juli, 10 Uhr, im Saal D 130 des Kasseler Landgerichts.

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