Fall Mehtap Savasci: Mosaik-Arbeit mit Zeugen

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Auf der Anklagebank: Der 51 Jahre alte Bruder von Mehtap Savasci muss sich wegen Verdacht des Mordes vor Gericht verantworten.

Kassel. Acht Zeugen sind am zweiten Verhandlungstag im Prozess zum Fall Mehtap Savasci vor dem Kasseler Landgericht gehört worden.

Erstmals meldete sich auch der 51-jährige Angeklagte, der sich wegen Verdacht des Mordes an seiner Schwester verantworten muss, selbst zu Wort - wenn auch nur mit einem Detail. Zu den Vorwürfen schweigt er bisher.

Eine Mitarbeiterin des Offenbacher Chemikalien-Handels, in dem der 51-Jährige als Lagerleiter beschäftigt war, hatte von der Suche nach dem verschwundenen Fahrtenbuch des Firmenwagens berichtet, den der Angeklagte zur Tatzeit ausgeliehen hatte. Mit dem Wagen soll der Angeklagte am 7. Oktober 2014 seine Schwester in Kassel entführt haben und soll sie später mit zwei Schüssen in die Brust getötet haben. Wenige Tage, nachdem der 51-Jährige den weißen VW Caddy ausgeliehen hatte, war das Fahrtenbuch des Wagens nicht mehr aufzufinden gewesen. Erst später entdeckten es zwei Mitarbeiterinnen in einer Tonne für geschredderten Papiermüll.

Diese Tonne sei nur mit einem Schlüssel zu öffnen gewesen, sagte die 45-jährige Buchhalterin der Firma vor Gericht. An dieser Stelle korrigierte der Angeklagte seine Kollegin: Es gebe auch einen Schlitz, durch den man kleinere Papiermengen hineinstecken könne. Nach Angaben der Mitarbeiter war der 51-Jährige für das Leeren der Tonnen zuständig.

Auch eine Schubkarre, die der Angeklagte am 6. Oktober auf die Rechnung des Betriebs gekauft hatte, war Thema in den Mitarbeiterbefragungen. An der Karre waren später - wie in dem VW Caddy - DNA-Spuren des Opfers gefunden worden. Vermutlich wurde sie benutzt, um die Getötete damit zu dem Schrebergarten in Wiesbaden zu transportieren. Dort war die Leiche der Kasselerin am 7. November gefunden worden. Im Betrieb war der 51-Jährige, der „Mann für alles“ gewesen sei, offenbar beliebt. Die Geschäftsführerin beschrieb ihn als „herzensgut“ und hilfsbereit. Sie hatte ihn am Tag des Verschwindens von Mehtap Savasci mittags noch kurz in der Firma gesehen. „Er war wie immer.“

Aus Kassel wurde unter anderem eine 32-Jährige befragt, der am Morgen des 7. Oktober der VW Caddy auf der A7-Auffahrt am Kreuz Kassel-Mitte aufgefallen war. Sie hatte gesehen, wie der Wagen kurz anhielt und sich die Beifahrerseite einen Spalt öffnete, bevor der Fahrer wieder Gas gab. Auch zwei elfjährige Kinder, die an dem Morgen vor dem Haus an der Pfeifferstraße, in dem Mehtap Savasci wohnte, ein Gerangel zwischen einem Mann und einer Frau beobachtet haben sollen, wurden - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - befragt.

Während die eigentliche Gerichtsverhandlung ruhig verlief, kam es im Publikum nach einer Pause zu Streitigkeiten. Einige ältere Zuschauer hatten sich mit Schals und Tüten Plätze in der ersten Reihe reserviert. Das sorgte bei Besuchern aus dem Kreis der 18-jährigen Tochter des Opfers für Unmut. Der Vorsitzende Richter Volker Mütze rief die Zuschauer zur Ordnung: „Wir sind hier nicht am Ballermann“.

Der Prozess wird nächste Woche Dienstag und Mittwoch fortgesetzt.

Video vom Prozessauftakt

Fotos vom Prozessauftakt

Prozess im Fall Mehtap Savasci - Bruder angeklagt

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