Ehrenmord befürchtet

Fall Savasci: „Merkwürdige“ Suche bei Facebook

Angeklagt: Der 51-jährige Bruder von Mehtap Savasci. Zeichnung:  Reinckens

Kassel. Wie sehr identifiziert sich der älteste Bruder von Mehtap Savasci mit Deutschland? Der 51-Jährige wurde am 22. Januar 1964 in der Türkei geboren, lebt aber bereits seit Jahrzehnten in Hessen.

Mit der westeuropäischen Lebensweise seiner Schwester Mehtap soll er aber angeblich nicht einverstanden gewesen sein. War das ein Motiv, um sie zu töten?

Dass ihr Mandant Deutschland offenbar akzeptiert, gar patriotische Gefühle für das Land hegt, wollte seine Verteidigern mit einer Fußball-Frage an einen Arbeitskollegen am Montag unterstreichen. Ob er sich daran erinnern könne, dass der Angeklagte während der Fußball-Europameisterschaft und der Weltmeisterschaft in dem Unternehmen in Offenbach Deutschlandfahnen aufgehängt habe, fragte Gabriele Steck-Bromme. Der Kollege konnte sich vor der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts nicht daran erinnern, weil er selbst mit Fußball nichts am Hut habe. In einer Sache war er sich aber mit einem weiteren Kollegen einig: Sie hätten den Angeklagten als freundlichen, hilfsbereiten und netten Menschen kennengelernt.

Ein ganz anderes Bild zeichnete eine 35-jährige Freundin der getöteten Mehtap Savasci von dem Angeklagten und dessen jüngerem Bruder. Nachdem sie im vergangenen Oktober erfahren habe, dass Mehtap verschwunden sei und bei Facebook einen Aufruf ihres jüngeren Bruders gelesen habe, der nach seiner Schwester suchte, sei ihr zunächst einmal schlecht geworden. Der Aufruf bei Facebook sei „merkwürdig“ gewesen, so die Zeugin. Sie habe gewusst, dass Mehtap mit ihren Brüdern kaum beziehungsweise keinen Kontakt gehabt habe. Sofort sei ihr der Verdacht gekommen, die Brüder könnten ihr etwas angetan haben. Einmal habe Mehtap ihr erzählt, dass sie von Glück reden könne, dass sie nach ihrer Scheidung überhaupt noch lebe und nicht durch einen „Ehrenmord in der Gosse gelandet“ sei.

Die Frau berichtete aber auch, dass Mehtap wiederholt von der Frau und der Tochter ihres Geliebten am Telefon beschimpft und bedroht worden sei. Sie solle ihre Finger von dem verheirateten Mann lassen, ansonsten würde sie fertiggemacht. Ob auch Drohungen wie „Ich bringe dich um“ unter den Frauen gefallen seien, darauf wollte sich die Zeugin nicht festlegen.

 

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Lesen Sie auch:

-Mord-Prozess Savasci: Ist der Angeklagte islamistisch geprägt?

-"Herr Richter, wie kann es sein, dass ein Mann so viel lügen kann?"

-Mordprozess Savasci: Das Schweigen der Familie

-Mordprozess Savasci: Handydaten belasten Angeklagten schwer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.