Einrichtung keineswegs geschlossen

Falschauskunft der MHK: Schlosscafé wunderte sich über ausbleibende Gäste

Fühlen sich von MHK gemobbt: Mahmoud El Ahl (hier mit seiner Tochter Sabrina Freifrau von Fürstenberg) betreibt seit 37 Jahren mit seiner Frau Astrid das Schlosscafé an der Tulpenallee. Nun will sie die MHK notfalls zwangsräumen lassen. Foto: Koch

Kassel. Die Betreiber des Schlosscafés Astrid und Mahmoud El Ahl konnten es Mittwoch erst nicht glauben, was sie da hörten. Gleich mehrere Stammkunden berichteten ihnen, dass im Besucherzentrum der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) behauptet werde, dass Schlosscafé sei dauerhaft geschlossen.

Jenes Café, das das Ehepaar seit 37 Jahren betreibt, in dessen Obergeschoss es lebt und in dem es sich – auch Mittwoch – um seine Gäste kümmert.

Nachdem die El Ahls von der Falschinformation durch MHK-Mitarbeiter hörten, wurde ihnen einiges klar. „Wir haben uns schon gewundert, dass die Kunden seit Tagen weniger werden“, sagt Mahmoud El Ahl. Normalerweise sei in der Jahreszeit das Café, das unterhalb des Schlosshotels liegt, gut besucht.

Also rief Astrid El Ahl selbst unter falschem Namen beim Besucherzentrum an. Auch sie erhielt die Auskunft: Das Schlosscafé, das gibt’s nicht mehr. Auch als sich ein HNA-Mitarbeiter inkognito im Besucherzentrum nach dem gastronomischen Angebot im Park erkundigte, erhielt er diese Auskunft. Dabei hat das Café trotz eines laufenden Rechtsstreits mit der MHK normal geöffnet.

Aktualisiert um 18.50 Uhr

Mahmoud El Ahl ist empört über diese Fehlinformation, die er für gezielt hält. Die MHK wolle sein Geschäft kaputt machen und das noch bevor die Justiz abschließend darüber entschieden habe, ob sein Pachtvertrag mit der MHK Bestand habe. „Das sind Methoden der Mafia und nicht die eines Landesbetriebs.“

Wie die HNA berichtet hatte, läuft derzeit ein Gerichtsverfahren, in dem geklärt wird, ob der Pachtvertrag der El Ahls noch Gültigkeit hat. In erster Instanz war das Paar vor dem Landgericht in Kassel unterlegen. Daraufhin hatte man Berufung vor dem Oberlandesgericht eingelegt, über die noch nicht entschieden ist. Somit gibt es bislang kein rechtskräftiges Urteil. Noch bis Ende September soll eine Entscheidung darüber fallen, ob die MHK das Café, wie sie es für den Notfall angekündigt hatte, zwangsräumen darf.

Auf HNA-Anfrage, warum im Besucherzentrum bereits vor Abschluss des Gerichtsverfahrens die Schließung des Cafés behauptet wird, antwortete eine MHK-Sprecherin nur kurz und schriftlich. Es handele sich um eine „unabsichtliche, irrtümliche Auskunft einer einzelnen Mitarbeiterin“ des Besucherzentrums. Eine Entschuldigung für die entgangenen Einnahmen der El Ahls gab es nicht.

Unterdessen ist die MHK bereits auf der Suche nach einem neuen Pächter ab 2015. Damit die vorherige Sanierung schnell begonnen werden kann, hat die MHK vorgesorgt. Sie ließ im laufenden Cafébetrieb in den vergangenen Wochen die Schlösser vermessen, um diese im Fall eine Zwangsräumung austauschen zu können. Auch nahm man bereits Maß für die Umbauten.

Mahmoud El Ahl kann die Version der MHK nicht glauben. Er wird auch am Donnerstag sein Café öffnen – egal, was irgendjemand behauptet.

Von Bastian Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.