Urkunde gefälscht

Falscher Arzt aus Libyen muss ins Gefängnis

Kassel. Er war kein Arzt, wollte aber gern einer sein, obwohl er lediglich in Libyen Medizin ohne Abschluss studiert hatte.

Also bastelte sich ein 37-Jähriger seine Approbationsurkunde nebst allerlei Zeugnissen selbst, bewarb sich damit als Arzt bei mehreren Kliniken und wurde sogar im Klinikum Kassel und in Hildesheim zur Probe angestellt.

Allerdings dauerte es nicht lange, bis die fehlende Fachkenntnis auffiel und der Mann wieder entlassen wurde. Die Quittung für die Hochstapelei und einen ausgiebigen Sozialbetrug bekam der Mann am Montag von Amtsrichterin Focke: drei Jahre und zehn Monate Gefängnis, lautete das Urteil des Schöffengerichts.

Die 37-jährige Ehefrau des Angeklagten, die im Klinikum eine Ausbildung zur Fachärztin absolviert hatte, wurde freigesprochen. Das Gericht ging davon aus, dass die Mutter von drei kleinen Kindern die Betrügereien nicht mitbekommen hatte.

Der zierliche Mann hat seit 2010 allerlei auf dem Kerbholz angesammelt. Eine erste Verurteilung, weil er Einkaufsgutscheine des Sozialamtes im Wert von 106 Euro kopierte und fälschte, um sie mehrfach verwenden zu können, hatte keinen großen Eindruck bei ihm hinterlassen. Der Mann fälschte nach Überzeugung des Gerichts gut ein Dutzend Dokumente, um sich als Arzt auszuweisen.

Obwohl die Familie rund 75 000 Euro auf dem Konto hatte und die Frau für ihre Ausbildung zur Fachärztin ein monatliches Stipendium über 2500 Euro von der libyschen Botschaft in Berlin bezog, beantragte und erhielt die Familie Unterstützung durch Hartz IV. Insgesamt etwa 6500 Euro Arbeitslosengeld II wurden überwiesen. Gegenüber dem Jobcenter gab sich der Mann zudem als Vermieter von Wohnungen für Asylbewerber in der Kasseler Nordstadt aus, kassierte dafür an Miete und Kaution zu Unrecht rund 12 000 Euro. Die Familie hat keinen Aufenthalts-Status mehr und muss das Land wieder verlassen. Spätestens dann, wenn der Mann seine Haftstrafe verbüßt hat.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.