Vorbestrafter Kasseler zu zwei Jahren Haft verurteilt

Falscher Polizist ergaunerte Gold

Kassel. Einfälle für seine Betrügereien habe er der Presse entnommen, sagte der einschlägig vorbestrafte Angeklagte am Montag im Kasseler Amtsgericht. Nicht nur habe er vor Jahren über den Enkeltrick gelesen und den erfolglos ausprobiert.

Auch die Idee, als Polizist aufzutreten, um Wertsachen zu ergaunern, sei ihm nach Lektüre eines Artikels im Internet gekommen. Mit dieser Masche war der 32-Jährige im Sommer 2012 zunächst erfolgreich. Doch gestern brachte sie ihm eine Verurteilung wegen besonders schweren Betrugs in vier Fällen und in einem versuchten Fall ein. Das Gericht verhängte eine Haftstrafe von zwei Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Familienvater hatte von vier alten Menschen Schmuck und mehrere Hundert Euro erbeutet - unter dem Vorwand, Scheine und Geschmeide auf der Wache überprüfen zu müssen. Eine fünfte alte Dame war misstrauisch geworden und hatte den falschen Polizisten damit zur Flucht veranlasst. Er habe die Taten begangen, um seine langjährige Spielsucht zu finanzieren, erklärte der Kasseler. Die Beute habe er verzockt.

In seinem Geständnis schilderte der 32-Jährige mehr, als die Ermittler bereits herausgefunden hatten: Die Geschädigten habe er auf der Straße ausgeguckt und sei ihnen gefolgt. Als angeblichen Polizeiausweis habe er - damals noch Busfahrer - sein Jobticket mit Foto vorgezeigt. Den von einer 72-Jährigen erbeuteten Goldschmuck habe er in einem Laden in der Innenstadt verkauft - für 1200 bis 1300 Euro.

Wenn der Ankäufer freiwillig so viel zahle, müssten die Stücke ein Vielfaches wert gewesen sein, hielt Hans-Manfred Jung in seinem Plädoyer fest. Dem Oberstaatsanwalt kamen die Vorstrafen des 32-Jährigen wie eine „Blaupause“ vor: Etliche Male sei es um Finanzierung der Spielsucht gegangen. Permanent hätten Gerichte, teils auch Staatsanwälte, gehofft, dass es die letzte Tat sein werde.

Permanent sei dem Kasseler zugutegehalten worden, dass er sich um eine Familie zu kümmern habe - und immer wieder Bewährung gewährt worden. Das sei jetzt nicht mehr drin.

Das sah das Gericht genauso, blieb aber im Strafmaß etwas unter der Forderung des Staatsanwalts. Gedanken der Verteidigung, der Kasseler könne durch Sucht vermindert schuldfähig sein, wies Richter Henning Leyhe zurück: Die Taten seien „derart überlegt, dass es einem Suchtverhalten widerspricht“.

Notbremse gezogen

Der Angeklagte selbst hatte geschildert, dass innerhalb seiner Familie schon vor der Tatzeit eine Notbremse gezogen worden war. Zugriff auf das Konto habe seit rund zwei Jahren nur seine Frau. Derzeit spiele er nicht, sagte der 32-Jährige auch. Für jeden Tag ohne Zocken mache er ein Kreuzchen auf einer Liste. 200 seien es schon.

Von Katja Schmidt

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