Pro Familia-Mitarbeiterinnen zu Pubertät: „Alles ein bisschen im Chaos“

Konflikte in der Pubertät: Mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil wird meist heftiger gestritten. Foto:  dpa

Kassel. Die Pubertät ist die Zeit des Erwachsenwerdens, des Abnabelns von der Familie und oft auch der ersten Liebe. Sie ist eine aufregende, prägende Zeit und für Familien meist eine große Herausforderung. Immer mehr Eltern suchen deshalb Rat beim Pro Familia Beratungszentrum.

Ein neues Pro Familia-Angebot richtet sich aus diesem Grund an Eltern mit Kindern in der Pubertät. Wir sprachen darüber mit den Mitarbeiterinnen Cornelia Krey und Diana Brencher.

Sie berichten über eine verstärkte Ratsuche von betroffenen Eltern bei der Pro Familia. Um welche Fragen und Sorgen geht es denn häufig?

Diana Brencher: Oft heißt es: „Die Kinder machen, was sie wollen, und wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen.“ Viele Eltern haben auch Fragen zur Sexualität: „Darf der Freund bei uns übernachten?“, „Wie sollen wir uns als Eltern verhalten?.“

Cornelia Krey: Oftmals wenden sich Eltern an uns, wenn der Kontakt zu den Kindern schwierig wird, wenn sie keinen Zugang mehr zu den Kindern finden. Besonders schwierig ist dies häufig in Familien mit getrennt lebenden Elternteilen. Die Eltern wissen häufig nicht, mit wem ihre Kinder befreundet sind. Sie machen sich Sorgen, weil der Sohn oder die Tochter nachts nicht nach Hause kommt. Oder sie befürchten, dass ihr Kind Alkohol oder Drogen konsumiert. Häufige Konfliktthemen sind auch nachlassende Schulleistungen und Unordnung.

Brencher: Viele Eltern sind auch verunsichert, wie sie mit dem Medienkonsum wie der Nutzung des Internets und Netzwerken wie Facebook umgehen sollen.

Was würden Sie zum Beispiel in dieser Frage raten?

Brencher: Diese neuen Medien sind heute ein Stück Lebensrealität und -qualität. Eltern sollten sich besser damit vertraut machen, um mit den Kindern auch besser über mögliche Gefahren sprechen zu können.

Und Ihr allgemeiner Rat an Eltern pubertierender Kinder?

Brencher: Das Wichtigste ist, zu versuchen, in Beziehung zu den Kindern zu bleiben, um nicht den Kontakt zu verlieren.

Krey: Dabei kann es helfen, wenn sich Elternteile gegenseitig bei der Erziehung entlasten und sich mit anderen Eltern auszutauschen.

Brencher: Und man sollte sich möglichst daran erinnern, wie es in der eigenen Pubertät war. Dann kann man auch mal die andere Seite sehen.

Krey: Man sollte versuchen, die Kinder positiv zu begleiten. Nicht nur die Jugendlichen müssen etwas lernen, sondern die Eltern auch: Man kann nicht mehr so viel über die Kinder bestimmen, sie beginnen ihren eigenen Weg zu gehen. Hier gilt es, einen Mittelweg zu finden zwischen Halt geben und Loslassen.

Warum ist denn die Pubertät oft so eine schwierige Zeit in den Familien?

Brencher: Es ist naturgemäß so, dass Reibung zur Pubertät gehört. Die Heranwachsenden müssen sich den älteren Generationen abgrenzen. Und das geht nicht immer harmonisch. Dazu muss man wissen, dass während der Pubertät auch hirnorganische Umbauten stattfinden. Deshalb ist alles ein bisschen im Chaos bei den Jugendlichen. Fotos:  privat/nh

Anmeldungen für das Beratungsangebot für Eltern mit Kindern in der Pubertät nimmt das Pro Familia Beratungszentrum entgegen: Breitscheidstraße 7, Tel. 05 61/76 62 5-0, www.profamilia/kassel.de

Von Martina Heise-Thonicke

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