Wo komme ich her? Genealoge auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Er kennt seine Ahnen: Gustaf Eichbaum, Vorsitzender der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck, mit Familienfotos und einem alten Kirchenbuch in seinem Privatarchiv. Foto: Rudolph

Kassel/Fuldabrück. Genealogie? Nicht selten erntet Gustaf Eichbaum verdutzte Blicke, wenn er seine Leidenschaft mit dem Fachbegriff nennt. „Meistens wird das verwechselt mit Gynäkologie“, sagt der 79-Jährige aus Bergshausen und lacht. Denn womit er sich beschäftigt hat nichts mit einem Frauenarzt zutun.

 

Genealogie (altgriechisch: geneá = Abstammung) ist aber nichts anderes als Familienforschung. Eichbaum ist seit über 20 Jahren Vorsitzender der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck (GFKW). Der Verein besteht seit 90 Jahren - „aber kaum einer kennt uns“, sagt Eichbaum. Unter den aktuell rund 400 Mitgliedern seien lediglich 30 aus der Region.

Deutscherer Genealogentag

Rund 200 Familienforscher werden von 12. bis 14. September zum Deutschen Genealogentag in Kassel erwartet. Ausrichter ist die Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck, die zugleich ihr 90-jähriges Bestehen feiert.

Dabei sei eigentlich jeder an Familienforschung interessiert, ist der Vereinsvorsitzende überzeugt: „Wir wollen doch alle wissen, woher wir kommen.“ Die Genealogie leide aber immer noch unter den Folgen der Nazizeit. Daher betrieben die meisten Deutschen ihre Recherchen für sich im stillen Kämmerlein. „Bei der damaligen unseligen Zwangsfamilienforschung ging es vor allem darum, jüdische Vorfahren herauszufinden und andere zu denunzieren“, sagt Gustaf Eichbaum. So sei sein Vater Otto, der im Dritten Reich Finanzbeamter war, allein wegen des Familiennamens Eichbaum, der auch in jüdischen Kreisen vorkam, in Erklärungsnot gekommen.

Heute sind die Familienforscher meist einfach von Neugier und geschichtlichem Interesse getrieben. So auch Eichbaum, der während seines Lehramtstudiums zu dem Hobby fand, das er bis heute mit großem Eifer betreibt. Damals wollte er mehr über die niederhessische Adelsfamilie Hund herausfinden, mit der er entfernt verwandt ist. „Mich hat interessiert, wie die gelebt haben - und wie dreckig es denen zum Teil ging.“ Seine Nachforschungen haben Eichbaum bis ins Mittelalter geführt, wodurch sein Stammbaum schier unendlich verzweigt ist. Aus jedem Jahrhundert kann er detailreich Geschichten seiner Vorfahren erzählen.

„Man hat ja in dem Sinne keine eigene Familie, man hat einen Haufen Mitverwandte - und die meisten Menschen wissen gar nichts davon“, sagt der Ahnenforscher. In Kassel und Umgebung seien viel mehr Menschen über gemeinsame Wurzeln miteinander verbunden, als sie ahnten. Auch mit seiner Frau Helga hat Eichbaum schon Verwandschaftsbeziehungen aufgedeckt: „Wir stammen beide über Ecken von Vorfahren von Goethe ab.“

Im Vorfeld des Genealogentags, den die GFKW nächste Woche in Kassel ausrichtet, hat der Vereinschef auch über den Ständehaus-Architekten Julius Eugen Ruhl (1796-1871) recherchiert. Die Familie habe ihre Wurzeln entgegen bisherigen Erkenntnissen nicht im Hanauer Raum, sondern in der Region, sagt Eichbaum: Ruhls Urgroßeltern stammten aus Bergshausen.

Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck e. V., Kontakt: Gustaf Eichbaum, Tel. 0561/49 19 817, E-Mail: info@gfkw.de www.gfkw.de

Von Katja Rudolph

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