Wolfgang Blieffert über die Bluttat und die Folgen

Kommentar: Aus den Fugen geraten

Vor wenigen Tagen musste ich über den Amoklauf von Ludwigshafen schreiben. „Mitten unter uns“ hieß die Überschrift. Das war, auch angesichts der Bluttaten in Erfurt und Winnenden, symbolisch gemeint.

Jetzt hat die Gewalt tatsächlich hier zugeschlagen, nur zwei, drei Straßen von uns entfernt. Ein Vater hat seine zwei kleinen Söhne getötet - eine Tat, angesichts derer sich unsere journalistischen Begriffe von Fassungslosigkeit und lähmendem Entsetzen als hilflose Worthülsen erweisen.

Die Wucht der Schläge hat nicht nur das Leben der beiden Jungen ausgelöscht, sie hat auch das Leben der Hinterbliebenen für lange Zeit zerstört. Und nicht nur das. Die Schläge trafen auch das Zusammenleben eines Gemeinwesens, das gern als heile Welt beschrieben wurde, dessen Fassade im Weichselweg aus den Fugen geraten ist.

Die Schläge wirken zudem tief hinein in den geschützten Raum der Familie, dort, wo Kinder Geborgenheit und Sicherheit spüren sollen. Im Haus von Mark W. wurde dieses Urvertrauen auf brutalste Weise zerstört, und es bleibt nicht aus, dass andere Kinder nach den Gründen fragen. Der Versuch, ihnen die unfassbare Tat erklären zu wollen, bedeutet auch, sich erneut bewusst zu werden, welch Geschenk Kinder sind. Im Angesicht des Grauens ist das der vielleicht einzige Lichtblick.

bli@hna.de

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