Fehlende Rauchmelder in Dachgeschosswohnung

Nach tödlichem Brand in Kassel: Junge weiter in akuter Lebensgefahr

Kassel. Nach dem Wohnungsbrand an der Ihringshäuser Straße (Fasanenhof) schwebt ein vierjähriger Junge immer noch in akuter Lebensgefahr.

Das teilte Polizeisprecher Torsten Werner am Dienstag auf Anfrage der HNA mit. Seine einjährige Schwester war am Montagvormittag an den Folgen einer Rauchgasvergiftung im Klinikum Kassel gestorben. Die 23-jährige Mutter, die sich mit ihren Kindern im Schlafzimmer aufgehalten hatte, als das Feuer ausbrach, ist mittlerweile außer Lebensgefahr. Die Polizei geht davon aus, dass die drei im Schlaf von dem Feuer überrascht worden sind.

Im Schlafzimmer der Mietwohnung habe sich kein Rauchmelder befunden, wie es die Hessische Bauordnung vorschreibt, sagt Werner. Auch in den anderen Zimmern habe man solche Brandmelder, die seit Anfang dieses Jahres Pflicht in allen hessischen Wohnungen sind, nicht entdeckt. Ob im Wohnzimmer, wo das Feuer ausgebrochen war, ein Rauchmelder war, könne man aufgrund der starken Beschädigung nicht feststellen.

Staatsanwaltschaft prüft

Wenn die Eigentümer gegen die Pflicht, Rauchmelder in die Wohnung einzubauen, verstoßen hätten, so müsse man nun prüfen, ob ein Fahrlässigkeitsvorwurf erhoben werden könne, sagt Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. Ohne auf den konkreten Brand einzugehen, könnte in solchen Fällen ein Straftatbestand wie fahrlässige Tötung in Frage kommen.

Feuer in Wohnhaus an der Ihringshäuser Straße

Brandspezialisten

Brandspezialisten des Landeskriminalamtes nahmen am Dienstag zusammen mit Ermittlern des K 11 die Brandwohnung genau unter die Lupe. Die Brandursache wurde bislang noch nicht bekannt. Bislang hat die Polizei eine vorsätzliche Brandstiftung ausgeschlossen, sondern geht von einer fahrlässigen Brandstiftung oder einer technischen Ursache aus.

Zeuge sah Rauch

Ein 45-jähriger von den Zeugen Jehovas, der am Montagmorgen auf der Ihringshäuser Straße unterwegs war, hatte übrigens als erster den Brand entdeckt. Der Mann, der sich am Montagabend bei der HNA gemeldet hatte, berichtete, dass er an allen Wohnungen geklingelt habe. Erst nach einigen Minuten habe ein Bewohner die Haustür geöffnet, der auf den Hinweis des 45-Jährigen sofort die Feuerwehr verständigte.

Gegenüber der Polizei sagte der Zeuge aus, dass er zusammen mit dem Bewohner, es handelte sich um den 34-jährigen Hauseigentümer, zur Dachgeschosswohnung lief und mit Gewalt die Tür öffnete. Als dichter Qualm in den Flur drang, liefen die Helfer wieder runter, um nicht verletzt zu werden. Zu dieser Zeit sei nicht klar gewesen, ob sich überhaupt jemand in der Wohnung aufhielt, so Polizeisprecher Werner. Die kurze Zeit später eintreffenden Wehrleute retteten schließlich die Mutter mit ihren beiden Kindern, alle drei waren bewusstlos.

Alle drei Wohnungen des vom Brand betroffenen Hauses bleiben bis auf weiteres unbewohnbar. Die Anwohner sind bei Verwandten und Freunden untergekommen.

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