23-Jährige berichtet nach Feuer an der Ihringshäuser Straße

„Mama, es brennt“: Mutter verlor ihre Kinder bei Wohnungsbrand

Zum Gedenken an Enrico und Paloma: Kuscheltiere, Blumen, Engelfiguren und Kerzen sind vor dem Haus an der Ihringshäuser Straße 81 abgelegt worden. Am 16. Februar war in der Dachgeschosswohnung ein Feuer ausgebrochen. Das einjährige Mädchen und sein vierjähriger Bruder starben an den Folgen einer Rauchgasvergiftung. Foto:  Malmus

Seit drei Wochen ist für eine junge Kasselerin nichts mehr, wie es war. Bei einem Feuer in einem Mehrfamilienhaus an der Ihringshäuser Straße verlor sie ihre beiden kleinen Kinder.

„Ich wache morgens auf und hoffe, dass alles nur ein Albtraum gewesen ist. Aber es ist ein Albtraum, aus dem man nicht mehr aufwacht“, sagt die 23-jährige Kasselerin. Die junge Frau hat vor drei Wochen bei dem Wohnungsbrand an der Ihringshäuser Straße ihre beiden Kinder verloren.

Die einjährige Paloma war an den Folgen einer Rauchgasvergiftung noch am Morgen des Brandes am 16. Februar im Klinikum Kassel gestorben. Ihr Bruder Enrico, der nächste Woche fünf geworden wäre, erlag am 21. Februar seinen schweren Verletzungen. Die Geschwister wurden in dieser Woche beigesetzt.

„Wir können nicht begreifen, dass die beiden nie wieder durch unsere Wohnung laufen werden“, sagt Kornelia A., die Großmutter von Enrico und Paloma. „Man hat das Gefühl, nur noch planlos durch die Welt zu laufen und neben sich zu stehen.“ Die 23-jährige verwaiste Mutter, die nach zwei Tagen das Krankenhaus wieder verlassen konnte, ist bei ihren Eltern untergekommen. „Ich kann nicht mehr allein sein.“ Die alleinerziehende Frau hat nicht nur ihre Kinder verloren, sondern alles, was sie jemals besessen hat.

Freunde halfen mit Kleidung

Die Dachgeschosswohnung war bei dem Brand komplett zerstört worden. Freunde haben ihr ein paar Kleidungsstücke überlassen, dank ihrer Eltern hat die Frau nun ein Dach über dem Kopf. Zusammen mit ihnen und ihrem Bruder wolle sie auch eine Familientherapie machen, um zu lernen, mit dem Tod der Kinder weiterleben zu können.

Da die Wohnung bei dem Feuer so massiv beschädigt wurde, lasse sich die Brandursache nicht mehr abschließend klären, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Die Kripo schließe nur aus, dass es sich um eine vorsätzliche Brandstiftung gehandelt habe.

Sie habe an dem Montagmorgen mit ihrer kleinen Tochter noch im Schlafzimmer gelegen, als das Feuer ausbrach, berichtet die 23-Jährige. Die Kleine sei in der Nacht krank gewesen und deshalb hätten beide nur schlecht geschlafen. Um 8.15 Uhr sei dann Enrico ins Schlafzimmer gekommen und habe gerufen: „Mama, es brennt.“

Erst im Krankenhaus wieder aufgewacht

Sie habe sofort im Flur nachschauen wollen. Als sie an der Tür ankam, sei alles schwarz gewesen. „Ich habe nichts mehr gesehen und wollte nur noch zurück zu meinen Kindern.“ Vor dem Bett brach die Mutter bewusstlos zusammen und wachte erst wieder im Klinikum auf.

Bei den Ärzten, den Einsatzkräften der Feuerwehr, den Ermittlern der Kasseler Kripo, dem Pfarrer und dem Bestattungsunternehmer, von denen sie in den vergangenen Wochen auf unterschiedliche Weise unterstützt und begleitet wurden, wollen sich die Mutter und ihre Angehörigen bedanken.

Der Bestatter hat ein Treuhandkonto auf den Namen der verstorbenen Kinder eingerichtet. Damit soll später ein Grabstein für Enrico und Paloma finanziert werden. Der jungen Mutter, die nicht berufstätig ist, fehlen dafür die finanziellen Mittel.

Treuhandkonto: Empfänger: Bestattungsunternehmen Jenal, Stichwort: Paloma und Enrico, Kasseler Sparkasse, DE10 5205 0353 1063 3578 96, BIC HELADEF1KAS

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