Laut Ehefrau und Nachbarin stritten sich Täter und Opfer wegen Wasserrechnung

Mann in Kassel starb wegen Zoffs um Nebenkosten

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Die Mitarbeiter des Erkennungsdienstes suchten am Donnerstagvormittag das Vier-Familienhaus an der Ihringshäuser Straße 109 auf. In der Erdgeschosswohnung (links) wohnt der 68-jährige Tatverdächtige, darüber das Paar, auf das er geschossen haben soll. 

Kassel. Der 47-jährige Thomas F. scheint von seinem 68-jährigen Nachbarn am Mittwochnachmittag erschossen worden zu sein, weil es Streit um die Nebenkostenabrechnung gegeben hat.

Das haben zumindest die Ehefrau des Getöteten, die 30-jährige Johanna F., und eine 70-jährige Nachbarin, die ebenfalls in dem Vier-Familienhaus an der Ihringshäuser Straße lebt, gegenüber der HNA am Donnerstag unabhängig voneinander geäußert. 

Die Ehefrau, die durch Schussverletzungen an Arm und Bein schwer verletzt wurde, rief am Donnerstagnachmittag vom Krankenhaus in der Lokalredaktion der HNA an. Sie bat darum, dass ein Foto von ihrem Mann veröffentlicht wird. Beide hatten erst im vergangenen Jahr geheiratet. „Er war alles, was ich hatte“, sagt Johanna F.

Das Opfer: Thomas F. wurde am Mittwochnachmittag im Hausflur erschossen. Seine Frau Johanna F. bat um Veröffentlichung dieses Fotos.

„Es ging um die Nebenkosten“, sagt sie. Sie und ihr Mann Thomas seien erst vor sechs Monaten in das Haus an der Ihringshäuser Straße 109 eingezogen. Der 68-Jährige, der in der Wohnung unter ihnen lebt, habe sich wegen der Wasserrechnung offenbar benachteiligt gefühlt. Sie und ihr Mann seien am Mittwochnachmittag ins Haus gegangen, wo es zu dem Streit zwischen den Männern gekommen sei. Die beiden hätten sich zunächst geschubst.

Versiegelt: Die Wohnungstür des Tatverdächtigen im Erdgeschoss des Vier-Familienhauses.

Johanna F. behauptet, der Nachbar habe als Erster auf ihren Mann eingeschlagen. Hier widerspricht sie der Aussage der 70-jährigen Nachbarin, die ebenfalls bei dem Streit anwesend war.

Sie selbst sei etwa um 16 Uhr zu dem 68-jährigen Nachbarn gegangen, um mit ihm über die Nebenkostenabrechnung zu sprechen, erzählt die 70-Jährige. Das Gespräch hätten sie an seiner Wohnungstür im Erdgeschoss geführt. Kurze Zeit später sei das Ehepaar ins Haus gekommen. Während die Ehefrau auch etwas über die Nebenkosten gesagt habe, habe ihr Mann den 68-jährigen Nachbarn sofort angegriffen und ihn auf den Boden geworfen.

„Dort lag er wie ein Muhkäfchen“, sagt die Bewohnerin am Donnerstagvormittag zu verschiedenen Journalisten. „Und dann ist der auf den losgegangen wie die Heuschrecken auf die Ernte.“

Nachbarin: „Es roch nach Schießpulver.“

Sie habe noch zu der Ehefrau des Angreifers gesagt, dass sie ihn zurückhalten soll, sagt die 70-Jährige. „Ich selbst habe mich verpisst, bin raus aus dem Haus zu einer anderen Nachbarin“, sagt die Frau. „Ich habe so einen Riecher, wann es brenzlig wird. Da verhalte ich mich immer wie die drei Affen.“ Sie meint: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Als sie geraume Zeit später zurückgekehrt sei, habe sie einen Geruch im Treppenhaus wahrgenommen, sagt die 70-Jährige. „Es roch nach Schießpulver.“ Wie es dazu kam, dass der 68-Jährige, der zunächst auf dem Boden lag, sich Waffen holte und auf seine Nachbarn schoss, dazu konnte die Frau nichts sagen.

Die Frau des Opfers berichtet, dass sie und ihr Mann Thomas nach oben in den ersten Stock gehen wollten, nachdem die Schlägerei vorbei gewesen sei. Plötzlich habe der Nachbar von unten „Knarren rausgeholt“ und im Hausflur auf sie geschossen. Thomas F. wurde so schwer im Bauchbereich verletzt, dass er noch am Abend im Klinikum Kassel starb. Seine Frau Johanna hatte Glück im Unglück. „Ich habe einen Querschläger am Bein abbekommen und eine Ladung Schrot im rechten Arm.“

„War auch hilfsbereit“

Den 68-jährigen Nachbarn hätten sie vor der Tat nur fünf bis sechs Mal gesehen, sagt die junge Witwe. Die 70-jährige Nachbarin berichtet, dass sie mit dem mutmaßlichen Schützen, der seit etwa 15 Jahren in der Wohnung allein gelebt haben soll, gelegentlich gesprochen habe. Was ist das für ein Mensch? „Mein Sohn hat immer gesagt, ich soll mich von ihm fernhalten, weil der verrückt ist“, sagt die 70-Jährige. „Er war aber auch hilfsbereit. Er hat mir meine Waschmaschine angeschlossen.“

Zu dem Ehepaar F., das in der ihr gegenüber liegenden Wohnung eingezogen ist, könne sie nichts sagen. „Ich habe keine Ahnung von den Verhältnissen.“ Der 68-Jährige habe sich aber mehrfach negativ über deren Lebenswandel ausgelassen.

Mann schießt auf Nachbarn im Stadtteil Fasanenhof

Von offizieller Seite gab es keine detaillierte Auskunft zum Tatablauf. Wegen der laufenden Ermittlungen könnten derzeit auch keine näheren Angaben zum Verdächtigen und zu einem Motiv gemacht werden, so die Staatsanwaltschaft.

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