Kritik, aber auch Zustimmung

Tempo 30 lässt keinen kalt: Bürger diskutieren über Verkehrsentwicklung

+
Planer Jens Rühmenapp erläuterte den Besuchern einzelne Vorhaben des Verkehrsentwicklungsplans.

Kassel. 50 Besucher diskutierten beim Bürgerforum Nordost mit Planern und Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) den Verkehrsentwicklungsplan 2030 (VEP) für die Stadt Kassel.

Bürger aus den Stadtteilen Wesertor, Wolfsanger-Hasenhecke, Fasanenhof, Nord Holland und Rothenditmold waren dazu ins Philipp-Scheidemann-Haus eingeladen.

Für lebhafte Diskussionen sorgte insbesondere der Autoverkehr in Kassel. Um die hohe Lärmbelastung auf den Hauptverkehrsstraßen zu verringern und die Sicherheit zu erhöhen, schlagen die Planer beispielsweise vor, stark frequentierte Kreuzungen wie die am Holländischen Platz umzugestalten und auch den Verkehrsfluss zu verbessern.

Frage nach den Kosten

Viele Besucher stellten generell die Umsetzung zahlreicher Vorhaben auch aus anderen Themenfeldern wie Radverkehr und Öffentlicher Personennahverkehr in Frage, weil diese aufgrund hoher Kosten nur mit Hilfe von Zuschüssen realisierbar seien.

Um die Verkehrssicherheit sowie die Wohn- und Lebensqualität an der Holländischen Straße zu verbessern, schlagen die Planer dort unter anderem abschnittsweise Tempo 30 vor. Während einige Besucher dies kategorisch ablehnten und mehr Freiheiten für den Autoverkehr und sogar mehr vierspurige Straßen forderten, sprachen sich Anwohner dagegen für eine probeweise Einführung von Tempo 30 aus.

Das unterstützte auch Bernd Wolfgang Häfner (Freie Wähler), Stadtverordneter und Mitglied des Ortsbeirats Wolfsanger-Hasenhecke. Dies sei eine Maßnahme, die einfach und kostengünstig umzusetzen sei. Allerdings bezweifelte er, dass sich dafür eine politische Mehrheit findet. Häfner: „Derjenige, der das einführen will, wird nicht gewählt.“

Eine Besucherin sagte: „Wenn Tempo-30-Zonen helfen, den Lärm zu verringern, dann sollten sie eingeführt werden.“ Planer Jens Rühmenapp erklärte, dass für die Umsetzung von Tempo 30 ein bestimmter Ampelabstand und eine entsprechende Ampelschaltung Voraussetzung seien, damit eine Grüne Welle funktioniere. Er räumte allerdings ein, dass dies bei einem sehr hohen Verkehrsaufkommen wie in Stoßzeiten nicht mehr funktioniere. Aufgrund des zunehmenden Lkw-Verkehrs auf den Hauptverkehrsstraßen gab es auch den Vorschlag, mehr Transporte auf die Schienen zu verlagern. Um den Lkw-Verkehr auf dem Rothenberg zu entzerren, sprachen sich einige Besucher auch für eine nördliche Ausfahrt des Daimler-Achsenwerks aus.

Stadtbaurat Nolda zeigte sich mit dem Verlauf und der Beteiligung an den Bürgerforen zufrieden. Man habe viel Anregungen aufgenommen.

Von Mirko Konrad

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.