"Modeindustrie ist zweitgrößter Umweltverschmutzer"

Mode-Revolution in Kassel: Marsch durch die Stadt informiert über nachhaltige Klamotten

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Das sind drei von tausenden Arbeitern, die unsere Kleidung machen: Bilder der Kampagne "Fashion Revolution".

Die Revolution der nachhaltigen Mode erreicht Kassel: Ein "Fashion Revolution Move" informiert über sauber und fair hergestellte Mode. Die Initiatorin fordert ein Umdenken der Verbraucher.

Die Modeindustrie gilt als einer der größten Umweltverschmutzer. Aber es geht auch anders. Nachhaltige Mode schont Natur und Mensch. Darauf will die Kasseler Designerin Sophia Schneider-Esleben mit der Umweltschutzorganisation Greenpeace am morgigen Freitag bei einem Gang durch die Stadt aufmerksam machen. Wir sprachen mit der 31-Jährigen.

Ihr „Fashion Revolution Move“ führt zu Geschäften mit nachhaltiger Kleidung. Wie gut ist Kassel in dieser Beziehung?

Im Vergleich zu ähnlich großen Städten sieht es in Kassel ganz gut aus. Es gibt mittlerweile sieben Geschäfte, die ein Konzept für nachhaltige Modeprodukte haben. Das ist beachtlich. Auf der ganzen Welt finden in dieser Woche Aktionen statt, die über nachhaltige Mode informieren.

Die Initiative „Fashion Revolution“ wurde nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch 2013 gegründet. Damals starben mehr als 1100 Arbeiter, die Mode für die ganze Welt herstellten. Inwiefern hat die Katastrophe ein Umdenken in der Branche bewirkt?

In den Trümmern des Gebäudes wurden diverse Etiketten gefunden – von Fast-Fashion-Labels bis zu Luxusmarken. Das hat Entsetzen ausgelöst. Es war klar, dass eine Wende sofort notwendig ist. In der Modebranche herrscht moderne Sklaverei. Die Textilarbeiter in Fernost müssen bis zu 17 Stunden arbeiten, bekommen keinen Mindestlohn und haben kein Versammlungsrecht. Mindestens 80 Prozent der Beschäftigten sind Frauen. Ihre Kinder können aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen. Das sind keine menschenwürdigen Bedingungen. Nach der Ölindustrie gilt die Modeindustrie als zweitgrößter Umweltverschmutzer.

Bislang gibt es Ihre Mode in der Region allerdings nur online zu kaufen.

Die Bauhaus-Kollektion „Hommage à PSE“ ist ab August bei „Timeless“ in der Wolfsschlucht erhältlich.

Was muss sich ändern, damit nachhaltige Mode Mainstream wird?

Unternehmen, die nachhaltig produzieren, müssen subventioniert werden. Und das Umdenken muss weitergehen. Nachhaltige Mode hat einen Lebenszyklus von zwölf Jahren. Man muss nicht jeden Monat ein T-Shirt kaufen und wegschmeißen. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

„Fashion Revolution Move“: Start am Freitag, 26. April (16.30 Uhr), bei Fingerz (Entenanger 2). Danach geht es zu Gingko, Timeless, Elsbeth, Hab selig, Soki und zum Wildwood Store.

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Sophia Schneider-Esleben

  • Alter: 31
  • Stammt aus: Hamburg
  • Ausbildung: zur Schneiderin, Modedesign-Studium in Hannover
  • Privates: Schneider-Esleben lebt mit ihrem Freund in der Kasseler Südstadt und genießt an Nordhessen, dass man "hier prima zur Ruhe kommen kann".
  • Internet: www.schneider-esleben.com

Mode-Fakten

  • Jahr für Jahr werden weltweit mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke hergestellt. Jeder Deutsche kauft jährlich im Durchschnitt 60 Modeprodukte.
  • Bis zu 24-mal im Jahr wechseln Modeketten wie H&M und Zara ihre Kollektionen.
  • Weltweit werden 75 Prozent aller Altkleider verbrannt oder landen auf der Mülldeponie.
  • Machen wir weiter wie bisher, wird es im Jahr 2030 fast 150 Millionen Tonnen Modemüll geben - 62 Prozent mehr als 2015.
  • Eine Lösung für all diese Probleme soll die Kreislaufwirtschaft sein, die im Idealfall von der Wiege zur Wiege verläuft (Cradle to Cradle, C2C).

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