Wärmedämmung kaum zu erkennen

Fassade wie in den 50ern: Wohnhaus Steinweg 9 originalgetreu saniert

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Frischekur für ein denkmalgeschütztes Haus: Auch das Graffiti im Erker-Giebel wurde wieder originalgetreu aufgemalt.

Kassel. Die Ecke Steinweg / Mittelgasse wäre eine wunderbare Kulisse für einen 50er-Jahre-Film. In Altrosa und Hellgrau strahlt das Wohnhaus Steinweg 9 ganz wie zur Zeit seiner Erbauung im Jahr 1952.

Die Fassade ist in den vergangenen Monaten in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde aufwendig erneuert worden.

Ein leuchtendes Beispiel in der 50er-Jahre-Häuserzeile, die insgesamt eine Frische-Kur nötig hätte. Renovierungssünden wie Standard-Kunststofffenster und vorgesetzte Rolläden, die bei den Nachbargebäuden noch zu sehen sind, wurden bei der Sanierung beseitigt. Der Clou: Das Gebäude erhielt sogar eine Wärmedämmung von außen. Es sei nicht einfach gewesen, hierfür die Zustimmung der Denkmalschützer zu erhalten, sagt Architekt Christian Abendroth.

Die acht Zentimeter dicke Dämmung ist jedoch kaum zu erkennen. Und die Fassadenputzer haben auch die Absätze zwischen den Stockwerken und die farbigen Rahmen um die Fenster (Faschen) dem ursprünglichen Zustand der Gebäudes nachempfunden. Immerhin könne nun gut ein Drittel der Energiekosten eingespart werden.

Zudem wurden nun im ganzen Haus wieder einheitliche und hochwertige Holzfenster eingesetzt, die dem historischen Vorbild nachempfunden sind. Und die Erkerfenster sind nun wieder – wie im Originalzustand – bodentief. So wurden einige Wohnungen nicht nur heller, sondern auch wärmer und leiser. Durch die Dreifach-Verglasung bleibe der Straßenlärm jetzt draußen, sagt Abendroth.

Alleine für die Anforderungen des Denkmalschutzes (aufwendige Fassadengestaltung, Holzfenster, Schutzgitter für die bodentiefen Fenster und dem Original nachgearbeitete Balkonelemente) seien vom Bauherrn, der anonym bleiben möchte, rund 30 000 Euro zusätzlich aufgebracht worden, rechnet Abendroth vor. Insgesamt investierte man 220 000 Euro.

Das Haus sieht von außen nun wieder fast genauso aus wie 1954, als Elfriede Hutfles mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann in ihre Wohnung einzog. „Wir waren die Erstbezieher“, sagt die 85-Jährige. Das Paar gestaltete die Räume nach eigenen Vorstellungen um und legte hinter dem Haus einen kleinen Garten mit Blumen und Kräutern an. „Es ist gut, dass ich hier geblieben bin, weil ich Leben um mich habe“, sagt Elfriede Hutfles und deutet auf das Staatstheater gegenüber.

Fast jeden Morgen trifft sie sich mit Freunden in einem Innenstadt-Café, mittags isst sie in der Kantine des Regierungspräsidiums „und die Aue, meinen Garten, habe ich praktisch vor der Haustür.“

Während all der Jahre sind viele neue Nachbarn in den anderen zehn Wohnungen ein- und ausgezogen. Jetzt wohnen meist junge Leute im Steinweg 9. Elfriede Hutfles aber ist längst Teil der Geschichte des Hauses geworden, in dem sie sich sehr wohlfühlt.

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