70 Prozent sind Frauen

Fast 23.000 Kasseler haben einen Minijob

Kassel. Die Zahl der Vollzeitstellen und Mini-Jobber in Stadt und Landkreis Kassel ist in den vergangenen Jahren geringfügig gestiegen – die der Teilzeiter hat aber erheblich stärker zugenommen.

Das ist das Ergebnis einer Arbeitsmarktstudie, die das Pestel Institut in Hannover mittels offizieller Arbeitsmarktdaten im Auftrag der Gewerkschaften Ver.di und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat.

Demnach stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeiter in Stadt und Kreis von 2008 bis 2011 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) um 4683 auf 124 832 – ein Plus von 3,9 Prozent. Allerdings schnellte die Zahl der Teilzeiter im selben Zeitraum um 12,5 Prozent auf 39.725 nach oben. Die Zahl der nicht sozialversicherungspflichtigen Mini-Jobber legte zwar nur um 3,4 Prozent auf 40.984 (davon allein 22.710 in Kassel) zu. Allerdings hat sich dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt.

Die Gewerkschaften beäugen dies mit Argwohn. Besorgniserregend finden sie vor allem, dass gut 70 Prozent der Mini-Jobber in der Region und auch bundesweit Frauen sind und zwei Drittel von ihnen zum Teil weit weniger als 8,50 Euro in der Stunde verdienen – also deutlich unter dem seit Jahren geforderten Mindestlohn bezahlt werden.

Der Geschäftsführer des Ver.di-Bezirks Nordhessen, Harald Fennel, spricht von einer wachsenden „Niedriglohnschicht, die vom fair bezahlten und anständigen Arbeitsmarkt abgekoppelt wird“. Sein NGG-Kollege Andreas Kampmann sagt: „Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner – mies bezahlt, mit wenig Schutz.“ Beide fordern den Mindestlohn – sofort.

Dagegen verteidigt der Geschäftsführer der nordhessischen Unternehmerverbände, Jürgen Kümpel, niedrige Löhne. Einstiegslöhne seien für Arbeitslose und Geringqualifizierte die Brücke in die Arbeit. Ein Viertel schaffe den Aufstieg in eine höhere Lohngruppe innerhalb eines Jahres.

Von José Pinto

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa-mm

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