Tipps: So sparen Sie Geld beim Tanken

Fast nirgendwo ist Sprit so teuer wie in Kassel

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Meistens viel los: Die Tankstelle Bavaria Petrol am Einkaufszentrum Dez. 

Kassel. Autofahrer aus Kassel und dem Umland müssen beim Tanken deutlich tiefer in die Tasche greifen als die Bewohner anderer Regionen.

Nach Daten des Verbraucher-Informationsdienstes Clever-Tanken.de ist Kassel unter den 100 größten Städten aktuell die drittteuerste Stadt, was sowohl Benzin- wie Dieselpreise angeht. Nur in den grenznahen Städten Konstanz und Trier ist der Sprit noch teurer.

Am Wochenende beispielsweise lagen die Durchschnittspreise für Super E10 in Kassel bei 1,41 Euro für Diesel bei 1,25 Euro – damit war der Kraftstoff jeweils sechs bis sieben Cent pro Liter teurer als im Bundesdurchschnitt. Die Zahlen sind zuverlässig, denn das Vergleichsportal Clever-Tanken bezieht die Daten – wie auch andere Anbieter – von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe.

Dass die Tankstellen in Kassel höhere Preise verlangen, hat mehrere Gründe. Zum einen liegt das für Kassel zuständige Raffineriegebiet weiter weg. „Alle Kasseler Tankstellen beziehen den Großteil des Sprits aus dem Ruhrgebiet. Ein kleinerer Teil kommt über die Schiene aus Leuna in Sachsen-Anhalt“, sagt Dirk Lassen-Beck von der Albert Beck GmbH in Kassel, die in der Region fünf Tankstellen betreibt. Die räumliche Lage bedeute höhere Transportkosten.

Zum anderen sei die jeweilige lokale Konkurrenzsituation entscheidend, sagt der Kraftstoffhändler. „Die Preise werden von den großen Ketten gemacht, wir freien Tankstellen versuchen, etwas darunter zu bleiben“, sagt Lassen-Beck.

Auch der ADAC vermutet als Ursache für die hohen Kasseler Preise eine Gemengelage aus längeren Transportwegen und einer geringeren Konkurrenz. „Den freien Tankstellen kommt hier eine hohe Bedeutung zu, weil sie in der Regel günstiger sind“, sagt ADAC-Sprecher Oliver Reidegeld.

Aral und Shell antworteten am Freitag nicht auf HNA-Anfrage. Esso teilte mit, dass sich der Konzern nicht zu Preisen äußere.

Fragen und Antworten zu den hohen Diesel- und Benzinpreisen in Kassel

Beim Vergleich der Benzin- und Dieselpreise ist Kassel nach Konstanz und Trier aktuell die drittteuerste Stadt in Deutschland. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem Thema.

Sind die Diesel- und Benzinpreise in Kassel denn erst jüngst auf ein Spitzenniveau gestiegen?

Nein, die Situation ist schon länger so. Bereits vor zwei Jahren lag Kassel unter den Top-5 der teuersten Städte.

Ist das Phänomen der hohen Preise auf die Stadt Kassel begrenzt?

Nein, auch im direkten Umland sind die Preise ähnlich. Aber schon wenige Kilometer können einen Preisunterschied machen. In Warburg, Hann. Münden und Göttingen ist der Liter Benzin und Diesel in der Regel sechs bis sieben Cent billiger zu haben. Selbst in Schwalmstadt, das verkehrstechnisch schlechter angebunden ist, war der Sprit am vergangenen Wochenende fünf bis sechs Cent günstiger – obwohl dort deutlich weniger Tankstellen um Kunden buhlen. Allerdings ist dort der Anteil freier Tankstellen deutlich höher. Das bedeutet: Die Regel, nach der es laut ADAC in ländlichen Bereichen wegen der geringeren Konkurrenz teurer ist als in der Stadt, stimmt nicht immer. ? Also ist die Präsenz der freien Tankstellen entscheidend für das Preisniveau in einer Stadt? !Nach Auskunft des ADAC Hessen-Thüringen spielen die freien Tankstellen eine wichtige Rolle. Denn sie versuchten sich durch ihre Preispolitik von den großen Ketten abzuheben. Der ADAC rät den Autofahrern, konsequent die günstigsten Tankstellen anzusteuern, auch wenn es nur um wenige Cent pro Liter gehe. So kann Einfluss auf die Preisgestaltung genommen werden. Für den Preisvergleich stehen inzwischen zahlreiche Apps für das Smartphone zur Verfügung, die die Preise in Echtzeit anzeigen.

Hilfreich: Die Bavaria Petrol-Tankstelle am Dez war laut Tank-App zeitweise die günstigste Tankstelle am Wochenende.

Ist der Sprit der freien Tankstellen denn genauso gut? 

ADAC-Sprecher Oliver Reidegeld sagt dazu: „Qualitätsunterschiede beim Kraftstoff zwischen den einzelnen Anbietern sind nicht zu befürchten, schließlich kommt der Kraftstoff aus demselben Großlager. Auch die sogenannten Premiumkraftstoffe bringen kaum nennenswerte Vorteile.“

Wo sind denn die Preise am niedrigsten? 

Am günstigsten tanken Autofahrer in der Regel im Ruhrgebiet. Dort war Super E10 am Wochenende ab 1,27 Euro pro Liter und Diesel ab 1,12 Euro zu bekommen. Auch in Hamburg, Bremen und Berlin ist der Sprit traditionell preiswert. Und auch Nürnberg gehörte zuletzt zu den günstigsten Städten in puncto Tankstellenpreise. Selbst im Rhein-Main-Gebiet (Frankfurt, Wiesbaden) zahlten Autofahrer am Wochenende fast zehn Cent pro Liter weniger als in Kassel.

Letztlich ist das Hochpreisphänomen in Kassel also nicht komplett zu erklären?

Die weiten Transportwege von den Raffinerien im Ruhrgebiet sind sicherlich ein Faktor. Aber Dirk Lassen-Beck, Geschäftsführer des Kasseler Kraftstoffhändlers Albert Beck GmbH, sagt: „Es gibt auch andere Städte, die räumlich schlecht aufgestellt sind.“ Letztlich steuerten die großen Mineralölgesellschaften die Preisentwicklung. „Wir freien Tankstellen beobachten den Markt und setzen uns dann ein, zwei Cent drunter“, sagt Lassen-Beck.

Freie Tankstellen sind in der Regel günstiger als die Ketten: Unser Bild zeigt Servicemann Ferati Halit von der Albert Beck-Tankstelle an der Harleshäuser Straße.

Tank-Tipp: So sparen Sie Geld

Tageszeit entscheidet Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamtes untersucht regelmäßig die Preise an deutschen Tankstellen. Hier einige Hinweise, die das Bundeskartellamt gibt:

  • Ab etwa 6 Uhr morgens fallen die über Nacht relativ hohen Preise bis zur Mittagszeit
  • Um die Mittagszeit steigen die Preise in vergleichsweise geringem Umfang an.
  • Bis zum Abend fallen die Preise dann wieder bis zu ihrem Tief ab etwa 18 Uhr.
  • Spätestens ab 21 Uhr steigen die Preise überwiegend ganz deutlich an.
  • Nach einer Untersuchung des ADAC tankt der Verbraucher am günstigsten in der Zeit zwischen 18 bis 20 Uhr.
  • Die beobachteten Preiszyklen sind im Wesentlichen von Wochentag zu Wochentag gleich. Die teuren Nachtstunden sind damit zu erklären, dass in dieser Zeit viele der freien Tankstellen geschlossen haben.

Die Benzinpreise finden Sie auch immer aktuell auf dieser Website.

Leserumfrage: Tanken Sie preisbewusst?

Nutze ADAC-Rabatt

Bernd Bachmann

Bernd Bachmann aus Kassel sagt: „Es gibt Preisbewusste, die mit Tank-Apps schauen, wo es am günstigsten ist. Ich habe eine ADAC-Karte, mit der ich Rabatt bei Shell bekomme. Also tanke ich meistens dort. Ich kann aber alle verstehen, die freie Tankstellen nutzen. Das Auto fährt mit deren Sprit nicht schlechter.“

Schaue nicht auf Preis

Ayoub Rajeh

Ayoub Rajeh aus Kassel sagt: „Ich tanke, wenn der Tank leer ist. Da gucke ich nicht so sehr auf den Preis. Der Bordcomputer zeigt mir an, wo die nächste Tankstelle ist. Ich würde keinen Umweg fahren, um ein paar Cent günstiger zu tanken.“

Verwende Tank-App

Monika Wölfle

Monika Wölfle aus Edermünde sagt: „Ich nutze Tank-Apps, um gezielt die günstigsten Tankstellen in der Nähe zu finden. Einen weiten Umweg würde ich aber auch nicht fahren. Früher war es immer abends am günstigsten, mittlerweile zum Teil auch vormittags.“

Fahre oft zu Freien

Manfred Fischer

Manfred Fischer aus Vellmar sagt: „Ich schaue auf die Preise und fahre fast nur zu freien Tankstellen. Selbst wenn es nur um einen Cent geht, sind das bei 50 Liter schon 50 Cent. Die großen Ketten müssen merken, dass man als Kunde auf die Preise schaut.“

Vergleiche Preise

Maik Becker

Maik Becker aus Kassel sagt: „Ich vergleiche die Preise und nutze dafür Tank-Apps. Ich würde aber keine Umwege in Kauf nehmen. So kann ich ein paar Cent pro Liter sparen.

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