Tipps und Tricks

Experte im Interview: „Fasten macht den Körper fit“

Viel Obst: Eine Art, die Fastenzeit zu gestalten.

Kassel. Am Mittwoch begann mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Ein religiöses Ritual, das zurzeit eine Renaissance erlebt. Wir befragten dazu Marcus Leitschuh (40).

Er ist Mitglied des Katholikenrats im Bistum Fulda und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Lehrer, CDU-Stadtverordneter in Kassel und Autor (Ko-Autorin Kerstin Held) eines Anti-Stress-Fastenkalenders (Verlag Neue Stadt, 5,95 Euro).

Ist Fasten überhaupt noch zeitgemäß?

Marcus Leitschuh: Unbedingt, schon deshalb, weil es nicht nur um Gewichtsabnahme geht. Heute bedeutet fasten bewusster leben, verzichten, ohne dass man einen direkten Zweck dahinter vermutet. Deshalb sollte man nicht auf Dinge verzichten, die besonders schön sind. Stattdessen geht es darum, alles bewusster zu machen, Schwerpunkte zu setzen.

Wie kann fasten heute aussehen?

Leitschuh: Es gibt ja das Heilfasten, das macht den Körper fit. Aber für mich geht es vor allem um die Seele. Und hier ist ein großes Thema der Stress. Man sollte die Fastenzeit nutzen, um sein eigenes Leben und seinen Stress in den Blick zu nehmen. Man sollte sich fragen: Auf was kann ich verzichten? Ohne dass ich mich dafür geißeln muss.

Was bringt das?

Leitschuh: Ich glaube, es kann bringen, dass ich neu entdecke, was mir wichtig ist, was Lebensqualität bedeutet, was mir tiefe Freude verschafft. Das geschieht, indem ich bewusst auswähle, zum Beispiel, was ich im Fernsehen sehe, anstatt mich den ganzen Tag berieseln zu lassen.

Ist es eine religiöse Angelegenheit oder kann die Fastenzeit bis Ostern auch säkularen Menschen etwas bedeuten?

Marcus Leitschuh verzichtet in der Fastenzeit. Archivfoto: nh

Leitschuh: Fasten ist eine religiöse Tradition. Sie ist aber für jeden offen, jeder kann für sich etwas daraus gewinnen. Es hat für Christen natürlich Sinn, dass das Ende der Fastenzeit mit Ostern verkündet wird. Es handelt sich um eine lebensfreundliche Sache. Sie beginnt fröhlich und ausgelassen mit dem Karneval und sie findet ihren Schluss mit der Auferstehung Jesu, dem Licht und dem Frühling.

Worauf muss ich achten?

Leitschuh: Wenn ich faste, sollte das nicht bedeuten, dass ich mit griesgrämigem Gesicht durch die Welt laufe und allen verkünde: Ich verzichte gerade auf etwas. Stattdessen sollte man strahlen und sich sagen: Ich probiere gerade, bewusster zu leben, ich verzichte, um Zeit für etwas anderes zu haben. Dann ist Fasten wunderbar.

Wie fasten Sie?

Leitschuh: Weniger Zucker, kein Alkohol, weniger Facebook, aber dafür mehr Zeit zum Lesen. Und bei allem gilt, ich freue mich drauf. Sonst hätte es auch keinen Sinn. (chr)

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