24-Jähriger soll Unterschrift für Vertrag unter Gewaltandrohung erpresst haben

Per Faustrecht zum Handy ?

Kassel. Mit Mafia-Methoden soll der 24-jährige Angeklagte sein Opfer eingeschüchtert haben, damit es für ihn einen Handy-Vertrag abschließt: „Ich kann dir auch die Nase brechen.“ Sein vermeintlicher Komplize setzte angeblich noch eins drauf: „Ich zögere nicht, dir die Zunge herauszuschneiden!“

Von diesen Drohgebärden eingeschüchtert, habe der Geschädigte getan, was von ihm verlangt wurde. Für beide Täter habe er im Januar jeweils einen Mobilfunk-Vertrag auf seinen Namen abgeschlossen und ihnen die dazugehörigen Handys ausgehändigt. Der 24-Jährige sitzt seit Mittwoch auf der Anklagebank des Landgerichts.

Sofort nach der Verlesung der Anklage, in der ihm räuberische Erpressung vorgeworfen wird, gab er zu: „Das stimmt alles, nur das mit dem Erpressen nicht.“ Er habe den Offenbarungseid geleistet und deshalb seinen 21-jährigen Freund gebeten, für ihn den Handy-Vertrag abzuschließen. Gedroht habe er ihm nicht, sondern stattdessen 400 Euro für den Freundschaftsdienst gegeben. Die Gesprächsgebühren habe er bar bezahlen wollen. Doch der frühere Freund bestritt am Mittwoch als Zeuge vor Gericht, auch nur einen Cent gesehen zu haben. Stattdessen sei er mit massiven Drohungen überhäuft worden, während er im Auto mit dem Angeklagten und dessen Komplizen von Obervellmar zu zwei Handy-Läden in der Kasseler Innenstadt fuhr.

Der Fahrer des Wagens habe gar behauptet, zu einer Berliner Mafia-Familie zu gehören und deshalb zu allem fähig zu sein. Nachdruck habe dem allein schon sein Äußeres verliehen. Selbst der Angeklagte beschrieb ihn als „Ochsen“, mit breiten Schultern und muskelbepackt. „Ich war wie paralysiert“, gestand das Opfer im Zeugenstand. Als er aus dem Auto aussteigen wollte, seien die beiden Männer „ausgerastet“, der Angeklagte habe ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzen wollen. Aus Angst habe er dann auch in den Läden geschwiegen.

2800 Euro Schulden

Nachdem er den zweiten Vertrag unterschrieben hatte, hätten sich seine beiden Peiniger gegenseitig auf die Schulter geklopft und gratuliert. Von seinem Konto gehen nach seinen Angaben bis heute die Gebühren für die von den beiden Handys geführten Gespräche ab, inzwischen seien rund 2800 Euro Schulden aufgelaufen. Ob und in welcher Weise er tatsächlich unter Druck gesetzt wurde, blieb am ersten Prozesstag offen. Vielleicht bringt die Aussage des als hünenhaft beschriebenen angeblichen Mittäters Licht ins Dunkel. Er sitzt derzeit wegen Menschenhandels ein und war transportunfähig, deshalb soll er am 17. November als Zeuge gehört werden. (pas)

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