Bewährungsstrafe für blindwütige Attacke auf Radfahrer

Kassel. „Ich kann keine Einschränkungen machen“, sagt der Zeuge. „Es war diese Person.“ Er ist sich sicher, auf der Anklagebank genau den Mann zu erblicken, der ihn im September 2011 gegen 7.30 Uhr ohne jede Vorwarnung mit einem Faustschlag auf dem Arbeitsweg vom Fahrrad holte.

Den Mann, der ihn ein zweites Mal ins Gesicht schlug, als er am Boden hockte.

Der angeklagte 23-jährige Kasseler will sich am Dienstag zunächst an keinen solchen Vorfall erinnern. Und auch nicht an die Ohrfeige, die er Minuten vorher einem anderen Mann verpasste. Erst als weitere Zeugenaussagen gegen ihn sprechen, „kriegt er noch die Kurve“, wie die Anklagevertreterin sagt. Das eröffnet ihm die Chance, in Freiheit zu bleiben.

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen verurteilt ihn das Amtsgericht zu 13 Monaten Freiheitsstrafe – und setzt diese auf Bewährung aus. Richterin Schiborr legt dem 23-Jährigen eine Bewährungszeit von vier Jahren auf. So lange muss der Kasseler auch monatlich 30 Euro an den Geschädigten zahlen, dem er mit seinem Schlag einen Bruch des Augenhöhlenbodens zugefügt hatte.

Der Angeklagte ist vielfach vorbestraft. Schon einmal hatte er betrunken einen Radfahrer attackiert. Er habe ein Alkoholproblem, nach einem Glas gebe es kein Halten mehr, hatte er damals dem Gericht gesagt.

Doch seitdem hat er eine Therapie gemacht und eine Ausbildung begonnen.

Am Tattag aber sei er „mit den Jungs“ unterwegs gewesen, sagt er dem Gericht – ein bedauerlicher Rückfall sei das gewesen.

Der Radfahrer übrigens hatte dem Gericht von einem Umstand berichtet, der ihm nach der Attacke besonders schwer zu schaffen gemacht habe: Dass niemand ihm helfen wollte – nicht einmal die Autofahrer, denen er an der roten Ampel nah der Haltestelle Fünffensterstraße an die Scheibe klopfte. Er musste sich selbst ins Krankenhaus bringen. Es war sein Arbeitsweg. Der junge Mann ist Arzt.

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