Plagiatsverfahren abgeschlossen

Falsche Ärztin: Uni Kassel entzieht ihr den Doktortitel

Das Bild zeigt einen Duden-Eintrag zum Stichwort „Plagiat“.
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Fazit der Uni: In der Doktorarbeit wurde geschummelt. Der Plagiatsverdacht wurde seit Ende 2019 geprüft.

Die als falsche Ärztin bekannt gewordene Meike S., die sich derzeit vor dem Kasseler Landgericht verantworten muss, hat nun ihren Doktortitel verloren. Die heute 50-Jährige hatte 2007 an der Universität Kassel im Fachgebiet Biochemie promoviert.

Kassel – Ob Meike S. für den Tod von fünf Menschen und versuchten Mord in elf weiteren Fällen verantwortlich ist, wird vor dem Kasseler Landgericht derzeit in einem Strafprozess geklärt. Die Frau, die damals noch Meike W. hieß, hatte zwischen 2015 und 2018 in dem Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar gearbeitet. Für die Anstellung als Assistenzärztin in der Anästhesie soll sie gefälschte Unterlagen vorgelegt haben.

Auch ihren Doktortitel, den sie 2007 an der Universität Kassel erhalten hatte, trug sie offenbar zu Unrecht. Zu diesem Schluss ist der Promotionsausschuss des Fachbereichs gekommen. Er hat der heute 50-Jährigen ihren Doktorgrad entzogen, wie die Hochschule auf Anfrage der HNA mitteilte.

Gegen die Aberkennung des Titels habe die Betroffene Widerspruch eingelegt. „Zu allen weiteren Fragen können wir derzeit keine Auskunft geben“, teilte ein Sprecher der Hochschule mit. Der Kasseler Anwalt Sven Schoeller, der Meike S. in dem Strafprozess vor dem Landgericht vertritt, war am Mittwochnachnittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Kasselerin hatte am Fachgebiet Biochemie der Universität Kassel promoviert. Nachdem die Vorwürfe wegen der Tätigkeit als falsche Ärztin in Fritzlar bekannt geworden waren, hatte die HNA Ende 2019 über den Plagiatsverdacht in der Doktorarbeit berichtet. Ein Wissenschaftler der Kasseler Hochschule hatte bei einer stichprobenartigen Überprüfung der Arbeit zahlreiche Textpassagen entdeckt, in denen die Verfasserin offensichtlich von anderen Autoren abgeschrieben hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Einige der verwendeten Quellen wurden dabei entgegen der wissenschaftlichen Standards auch nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt. Daraufhin hatte die Hochschule ein Prüfverfahren eingeleitet.

In der Doktorarbeit hatte Meike S. sich mit Biomarkern zur Früherkennung von Krebs beschäftigt. Neben den Vorwürfen, dass sie im theoretischen Teil plagiiert haben soll, wurde in dem Verfahren auch der experimentelle Teil der Arbeit überprüft. Dafür hatte die Doktorandin in der Pathologie des Klinikums Gewebeproben untersucht. Ob auch in diesem Teil der Arbeit Mängel gefunden wurde, ist bislang nicht bekannt.

Meike S. hatte – damals noch unter ihrem früheren Nachnamen – auch in Kassel als Heilpraktikerin und Osteopathin praktiziert. Zudem war sie in der Kommunalpolitik aktiv: 2013 saß sie für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung. Zudem führte sie den Ortsverein Brasselsberg. In Bad Emstal war sie 2012 für die SPD als Bürgermeisterkandidatin angetreten. (Katja Rudolph)

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