Es fehlen 50 Beuys-Stelen: Stiftung sucht Unterstützer

Die Aufnahme von Dieter Schwerdtle zeigt Joseph Beuys (1921-1986, Bildmitte) beim Pflanzen der ersten Eiche 1982 vor dem Fridericianum. Beuys hat an sechs documenta-Ausstellungen teilgenommen. Links im Bild sein Schüler Johannes Stüttgen.

Kassel. Viele Veranstaltungen widmen sich zur Museumsnacht dem Thema „Joseph Beuys – 7000 Eichen“. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der Stiftung 7000 Eichen, Volker Schäfer.

Wie kein anderer hat der Künstler Joseph Beuys die Stadt Kassel geprägt. Er ist mit den 7000 Eichen in jedem Winkel präsent. Warum muss man immer wieder an ihn erinnern? 

Volker Schäfer: Erinnern verbindet man eher mit Vergangenheit. Beuys hat aber vor allem ein Kunstwerk geschaffen, das in die Zukunft weist. Seine auch ökologische Arbeit verbessert das Stadtklima und dokumentiert, wie wir mit Natur und gebauter Umwelt umgehen, wie wir leben. Beuys veränderte das Stadtbild, lässt uns den öffentlichen Raum anders sehen und löste viele Diskussionen aus. Das macht die 7000 Eichen zum wirklich sozialen Kunstwerk. Sie sind ein Seismograf dafür, was schon geschafft ist und was wir noch zu tun haben.

Was macht die Stiftung? 

Hintergrund: Joseph Beuys zur Museumsnacht

Das Beuys-Programm während der Museumsnacht beginnt in der Neuen Galerie am 5. September, 19 - 22 Uhr, mit der Präsentation von Filmausschnitten, kommentiert von Dr. Rhea Thönges-Stringaris, Ralf-Uwe Beck und Johannes Stüttgen: „Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden“, Film mit Rudolf Bahro; Am Samstag, 6. September, ab 17 Uhr gibt es Busführungen zu Standorten der 7000 Eichen, Abfahrt Friedrichsplatz.

Die Stiftung 7000 Eichen präsentiert sich mit einem Infostand an der Unteren Karlsstraße 8. Bereits am Vormittag, ab 11 Uhr, führt Beuys-Schüler Johannes Stüttgen in der Neuen Galerie zur Installation „Das Rudel“, Anmeldung: Tel. 0 23 02 /9 56 70 76 oder info@omnibus.org; 15 – 17 Uhr, Neue Galerie: „Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden“, Filmvorführung mit Thönges-Stringaris und Stüttgen.

Schäfer: Sie ist ein ideeller Sachwalter, wirbt für die Ideen des Kunstwerks und unterstützt die Stadt bei ihrer Selbstverpflichtung, die 7000 Eichen zu pflegen. Wir suchen nach Lösungen, damit das Kunstwerk in seiner Gesamtheit erhalten bleiben kann, auch wenn sich die Stadt verändert.

Gibt es Probleme?

Schäfer: Damit man lebendiges Wachstum sehen kann, hat Beuys als Kontrast jedem Baum einen Basaltstein hinzugesellt. Bis heute sind aber bereits 50 Basaltstelen durch Umpflanzungen, Verkehrsunfälle und Diebstähle abhandengekommen. Die haben wir zu ersetzen. Da wir das Kunstwerk auf Dauer erhalten wollen, müssen wir uns einen Vorrat an Steinen zulegen. Doch die gibt es in Nordhessen nur noch in einem einzigen Basaltsteinbruch und der beginnt bereits mit der Wiederverfüllung. Die Zeit eilt.

Was planen Sie?

Schäfer: Für Ersatz und Reserve wollen wir hundert Steine ankaufen. Dafür brauchen wir Spender und Unterstützer, denn wir müssen mit 350 Euro pro Stein rechnen.

Wie wollen Sie vorgehen? 

Schäfer: Wir rufen dazu auf, sich mit Spenden am Bestand des Kunstwerks zu beteiligen. Der Spendername wird im Baumkataster verzeichnet und es gibt eine künstlerisch gestaltete Spendenquittung. Durch einen Beitrag, das Kunstwerk zu erhalten, wird man dessen integraler Bestandteil. Das kommt der Idee der sozialen Plastik sehr nah.

Was macht die Beziehung Beuys - Kassel eigentlich aus? 

Schäfer: Beuys hat mit seiner Raum-Zeit-Skulptur Kassel das größte Kunstwerk zum Geschenk gemacht. Seine Kasseler Außenstelle der Free International University (FIU) fungierte für ihn als Denk-Raum und Baumkoordination 7000 Eichen.

Weitere Informationen

www.7000Eichen.de

Die Verknüpfung von Kunst mit dem realen Leben war für ihn nirgendwo so intensiv wie in Kassel. Viele Kasseler haben die Baumpflanzung – auch finanziell – unterstützt und kennen Beuys persönlich.

Von Christina Hein

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