Arbeitsagentur schlägt Alarm: Trotz Bewerberüberhangs bleibt geeigneter Nachwuchs immer häufiger aus

Es fehlen die passenden Azubis

Die Wirtschaft sucht immer häufiger vergeblich nach geeigneten Azubis. Oft passen die Bewerber nicht zum jeweiligen Job-Angebot. Unser Bild zeigt einen Azubi bei Siemens in Chemnitz. Foto: dpa

Kassel. Zwischen Lehrstellen-Angebot und Bewerber-Nachfrage klafft in der Region nach wie vor ein großes Loch. Auf 4357 Bewerber kamen im Agenturbezirk Kassel im vergangenen Jahr nur 3417 Stellen. Allein in Kassel fehlten bei 1681 Bewerbern 203 Azubi-Stellen, im Landkreis bei 1845 Bewerbern sogar 762.

Trotz des Überhangs müssen Betriebe immer häufiger nach geeignetem Nachwuchs suchen. „Das ist ein Alarmsignal für Industrie, Handwerk und Handel in der Region“, sagt Detlef Hesse, Leiter der Agentur für Arbeit Kassel. Dabei sei zunächst mit einem zehnprozentigen Bewerberanstieg gerechnet worden – wegen des G 8 / G 9-Doppelentlassjahrgangs. Doch sei der ausgeblieben. Grund: Immer mehr junge Leute setzten auf weiterführende Schulen oder ein Uni-Studium statt auf eine Ausbildung. Oder sie legten nach der Schule zunächst ein Sabbat-Jahr ein. So hätten vor allem kleinere Unternehmen inzwischen große Schwierigkeiten, gute Leute zu finden. „Trotz des Überhangs an Bewerbern wurden noch nie so viele Ausbildungsplätze storniert“, sagt Hesse, „350 allein im vergangenen Jahr.“ Im Vergleich zu 2012 habe sich die Zahl verdoppelt.

Oft passten Bewerber und Ausbildungsstelle nicht zusammen. „Die Ausbildungsberufe spezialisieren sich und werden komplexer. Da wird es schwerer, für jeden Topf den passenden Deckel zu finden.“

Ein großes Problem für die heimische Wirtschaft. „In den nächsten Jahren wird viel davon abhängen, jungen Leuten den hohen Wert von Ausbildungsberufen klarzumachen“, sagt Hesse. Ziel sei es daher, künftig die Ausbildung sowie das duale Studium mitsamt der beruflichen Möglichkeiten viel stärker zu bewerben, „überall, auch bei neuen Zielgruppen“.

So werde künftig die Beratung intensiviert – nicht nur um dem ständigen Wandel in der Ausbildung gerecht zu werden. Sondern auch, um jungen Leuten die Berufswahl zu erleichtern. Hesse: „Das Gewinnen von Bewerbern gehört zu den großen Aufgaben, wollen wir unseren Wettbewerbsvorteil nicht verspielen.“

Von Boris Naumann

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