Einsatzkräfte mussten am Freitagabend zur Unfallstelle laufen

Fehlende Rettungsgasse auf A7: "Es geht darum, Leben zu retten"

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Verengte Fahrbahnen durch eine Baustelle: Nachdem kurz hinter der Brücke bei der verkürzten Autobahnauffahrt Kassel-Mitte ein Unfall passiert war, staute sich hier der Verkehr in Richtung Norden. Die Fahrzeugen standen auf den drei Spuren so, dass Rettungs- und Einsatzkräfte nicht durchkamen und zwei Kilometer zum Unfallort laufen mussten.

Kassel. Rettungs- und Einsatzkräfte mussten am Freitagabend auf der Autobahn 7 zwei Kilometer zu Fuß zu einer Unfallstelle laufen, weil von Autofahrern keine Rettungsgasse freigemacht wurde.

Wir sprachen darüber mit dem Dienstgruppenleiter der Autobahnpolizei Baunatal, Carsten Weihrauch.

Herr Weihrauch, ist dies aus Ihrer Sicht ein ungewöhnlicher Fall?

Carsten Weihrauch: Es gibt immer wieder Probleme, weil Rettungswege nicht rechtzeitig freigemacht werden. Deshalb versuchen wir immer wieder, mit Aktionen und Kampagnen die Verkehrsteilnehmer aufzuklären. Dass so etwas passiert ist, habe ich zwar noch nicht erlebt. Aus Gesprächen im Kollegenkreis ist jedoch bekannt, dass dies durchaus schon vorgekommen ist.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass es Rettungs- und Einsatzkräfte in Staus auf Autobahnen oft schwer haben voran zukommen?

Weihrauch: Die Verkehrsteilnehmer sind sich oft gar nicht darüber bewusst, dass die Rettungsgasse grundsätzlich zu sichern ist. Viele sind auch abgelenkt oder verkennen die Verkehrslage. Mitunter kennen auch ausländische Verkehrsteilnehmer die Regeln auf deutschen Autobahnen nicht.

Wie muss man sich denn richtig verhalten?

Weihrauch: Schon bei stockendem Verkehr auf der Autobahn beziehungsweise wenn man sich einem Stauende nähert, sollten alle Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. Das heißt, man muss vorausschauend fahren. Fahrer auf der linken Spur sollten ihre Wagen nach links lenken, die auf den übrigen Spuren nach rechts. Das heißt: Nur die Autos auf dem linken Fahrstreifen weichen nach links aus, alle anderen nach rechts.

Wer auf einen Stau zufährt, sollte immer genug Platz zum Vordermann lassen. Der Standstreifen muss frei bleiben.

Auch in engen Baustellenbereichen ohne Standstreifen, wie es im angesprochenen Fall am Freitagabend war, gelingt es so, eine Gasse für Rettung- und Einsatzfahrzeuge zu bilden. Dabei gilt es, so weit wie möglich nach links und rechts zu fahren.

Was droht denn Autofahrern, die sich nicht daran halten?

Weihrauch: Rechtliche Grundlage für die Rettungsgasse ist Paragraph 11 Abs.2 der Straßenverkehrsordnung (besondere Verkehrslagen). Ein Verstoß sieht lediglich ein Verwarngeld von 20 Euro vor. Aber im Endeffekt geht es darum, Leben zu retten und schnelle Hilfe zu leisten. Auch jeder, der gerade im Stau steht, würde sich wünschen, dass er schnell Hilfe bekommt, wenn er selbst von einem Unfall betroffen ist.

Bei dem Unfall am Freitagabend auf der A7 bei Kassel wurde niemand verletzt - was die Einsatzkräfte aber erst erfuhren, als sie ankamen.

Weitere Unfälle auf der A7 - auch mit Problemen bei der Rettungsgasse

Am Wochenende gab es auf der A7 in Nordhessen weitere Unfälle, bei denen auch einige Autos den Rettungskräften den Weg versperrten. 

Bei einem tödlichen Unfall auf Höhe der Raststätte Hasselberg-Ost am Samstagabend, bei dem ein Lkw-Fahrer über die Fahrbahn gelaufen und von einem Auto erfasst wurde, hatten Rettungskräfte Schwierigkeiten, zur Unfallstelle zu gelangen - einige Fahrer hatten keinen Platz für eine Rettungsgasse gebildet.

Am Samstagvormittag behinderten Gaffer den Verkehr auf der A7 bei Malsfeld, als ein Auto brannte. Wie Einsatzkräfte berichteten, fuhren einige Autofahrer langsam vorbei, filmten und fotografierten den Einsatz - und behinderten damit damit nachfolgende Fahrzeuge. Nur der Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer sei es zu verdanken, dass es nicht zu Unfällen kam, heißt es bei der Feuerwehr.

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