Äußere Einflüsse sind nur für jede zehnte Zugverspätung in Wilhelmshöhe verantwortlich

Fehler steckt im System

Arbeiten an der Strecke: Im Mai waren am IC-Bahnhof Wilhelmshöhe 66 Fernzüge verspätet, weil auf ihrer Route gebaut wurde. Das Foto zeigt Gleisarbeiten im sächsischen Radebeul. Archivfoto: dpa

Kassel. Technische Störungen, Warten auf den Anschluss, Bauarbeiten auf der Strecke – wenn Fernzüge im IC-Bahnhof Wilhelmshöhe Verspätung haben, dann ist die Ursache in neun von zehn Fällen im System der Bahn zu suchen. Das ergibt die Verspätungsstatistik vom Mai.

Dabei zeigte sich, dass die Fernzüge im Mai in Kassel pünktlicher waren als im Vormonat: Die Verspätungsquote sank von 31,9 auf 26,3 Prozent und näherte sich damit dem Durchschnitt der Bahn an (20,6 Prozent). Damit belegt Kassel-Wilhelmshöhe unter den großen deutschen Fernbahnhöfen Platz 27. Im April war es noch der wenig ruhmreiche achte Platz gewesen.

Am häufigsten, nämlich 183-mal, mussten Passagiere auf ihren Zug warten, weil der einen anderen verspäteten Zug vorbeilässt. Um den Ablauf des Fahrplans einzuhalten, nimmt die Bahn oft solche Verspätungen von fünf bis zehn Minuten in Kauf.

Auch die nächsthäufigsten Gründe liegen in der Verantwortung der Bahn: Technische Störungen am Zug oder an der Strecke (130/78), Warten auf Anschlusszüge (127), Signalstörungen (85) und Bauarbeiten (66). Erst auf Platz acht steht eine Ursache, die als äußerer Einfluss gewertet werden muss: 26-mal haben Personen auf den Gleisen den Fahrplan durcheinander gebracht. „Diese Einteilung in interne und externe Gründe ist im Einzelfall natürlich immer eine Frage der Interpretation“, gibt Eoda-Geschäftsführer Heiko Miertzsch zu.

Auf die Dauer kommt es an

Doch es geht nicht nur um die Häufigkeit der Verspätung, sondern auch um deren Dauer. Sind Verspätungen womöglich länger, wenn äußere Ereignisse den Bahnbetrieb beeinflussen, während interne Gründe eher geringe Verspätungen zur Folge haben? Im Mai mussten Fahrgäste in Wilhelmshöhe 13 470 Minuten auf Züge warten. Nur 15 Prozent davon gingen auf das Konto äußerer Einflüsse. Sie haben also in der Summe nicht deutlich längere Verspätungen zur Folge.

Bei der Analyse ist den Eoda-Mitarbeitern noch etwas aufgefallen: Zugunsten der Bahn werde oft angeführt, dass unvorhersehbare Verspätungen besonders große Auswirkungen hätten, sagt Miertzsch. Bei der Auswertung aller Fernverbindungen seit Oktober 2011 zeige sich aber etwas anderes: Selbst an Tagen, an denen die Bahn viele unvorhersehbare Ereignisse verkraften muss, die weitere Verspätungen zur Folge haben dürften, bleibt die Gesamtzahl der Verspätung im Schnitt. „Die Bahn hat diese externen Einflüsse anscheinend im Griff“, sagt Miertzsch. Wie pünktlich die Bahn ist, lässt sich also nicht mit externen Einflüssen erklären.

Von Marcus Janz

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