Feier der Gewerkschaft zum 100. Frauentag: Neue Arbeitszeitmodelle sind nötig

Kassel. Die IG Metall ist nicht gerade eine typisch weibliche Gewerkschaft. Nur 14,4 Prozent der Mitglieder in Nordhessen sind Frauen, da die zugehörigen Branchen wie Stahlindustrie, Kfz-Handwerk sowie der Bereiche Metall-Elektro nach wie vor eher männliche Domänen sind.

Dennoch hat die IG Metall in Sachen Frauenquote Fakten geschaffen und eine von 30 Prozent für alle Aufsichtsratsmandate, die mit hauptamtlichen Gewerkschaftern besetzt werden, beschlossen. Kommen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat aus dem Betrieb selbst, soll sich die Quote allerdings am Anteil der weiblichen Beschäftigten orientieren.

Zur 100. Wiederkehr des ersten Frauentags in Deutschland, der am 19. März 1911 stattfand, trafen sich am Samstag 120 Teilnehmerinnen der IG-Metall-Bezirke Frankfurt und Nordhessen in Kassel. Auch wenn sich viel getan habe für Frauen, gebe es keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen, waren sich die Beteiligten einig.

Zwar steige die Erwerbstätigkeit von Frauen, sagte Helga Schwitzer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Doch teilten sie sich einen stagnierenden Anteil des Kuchens. 41 Prozent des Arbeitsvolumens entfielen auf Frauen. Die Mehrzahl habe aber Teilzeit- oder Minijobs. 84 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten seien Frauen. Es dürfte nicht dabei bleiben, dass die typische Frauenkarriere vom Mini-Job in die Mini-Rente führe. Diese Frauen in Arbeitsverhältnissen, die kaum zum Leben reichten, dürfe man bei der Diskussion um eine Frauenquote auf Führungsebene nicht vergessen. Auch das bestehende Lohngefälle von 23 Prozent zwischen Männern und Frauen trage zu einer Zementierung der klassischen Rollenverteilung bei. „Auch Männer sind zunehmend für partnerschaftliche Regelungen, aber in Familien ist es auch eine Rechenaufgabe, wer zu Hause bleibt, und da ist die Frau im Nachteil“, sagte Schwitzer.

Auch das Ehegattensplitting als Gleichstellungshindernis gelte es abzuschaffen. Damit Männer und Frauen sich gleichberechtigt an Familien- und Erwerbsarbeit beteiligen können, müsse neben der „betrieblichen Stellschraube“, flexiblere Arbeitszeitmodelle einzuführen, auch an der „Stellschraube vor den Fabriktoren“ gedreht werden, betonte Renate Müller, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im VW-Werk Baunatal. Kinderbetreuung von Krippe über Kita bis Hort müssten gewährleistet sein.

Hier verwiesen Arbeitgeber allzu gern auf allein staatliche Verantwortung, sagte Ullrich Messmer, 1. Bevollmächtigten der IG Metall Nordhessen. „Alle wollen das Aushängeschild familienfreundlicher Betrieb tragen, aber außer ein paar Leuchtturmbetrieben will dafür keiner Geld in die Hand nehmen.“ (rud) Fotos: Rudolph

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