Obwohl weniger Autos an Messstellen vorbeikamen

Feinstaubbelastung leicht gestiegen: Zu viel Dreck an 19 Tagen

Hier wird gemessen: An der Fünffensterstraße ist die Schadstoffkonzentration in der Kasseler Luft am höchsten. Archivfoto:  Herzog

Kassel. Die Luft in Kassel ist im abgelaufenen Jahr etwas dicker gewesen als im Jahr zuvor. An 19 Tagen – sechs mehr als im Jahr 2012 – wurde der zulässige Grenzwert für Feinstaub in der Luft überschritten. Im Jahresmittel hat die Feinstaubbelastung laut der Umweltabteilung des Rathauses minimal zugenommen.

Die Daten legten nahe, dass sich bei der Luftqualität in Kassel kaum etwas verändert habe, sagte Holger Henke, Leiter des Sachgebiets Umwelt- und Immissionsschutz. Allerdings könne es sein, dass im abgelaufenen Jahr deutlich weniger Kraftfahrzeuge zu gleich hohen Messwerten geführt hätten. Wegen der Dauerbaustelle auf der Friedrich-Ebert-Straße schätzt Henke, dass etwa ein Fünftel weniger Fahrzeuge als üblich im Bereich der beiden Luftmessstationen an der Fünffensterstraße und Hinter der Komödie unterwegs gewesen ist.

Die Fünffensterstraße gilt als Ort der höchsten Luftbelastung in Kassel wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der beidseitig hohen Bebauung, die einem Luftaustausch entgegenwirkt. Im Jahr 2012 hatte ein günstiger Wetterverlauf die Schadstoffbelastung im Kasseler Becken auf die bisher niedrigsten Messwerte gedrückt. „2013 hatten wir nicht so viel Glück“, sagte Henke. Wegen des langen und strengen Winters mit seinen austauscharmen Wetterlagen habe es bereits im 1. Jahresquartal 13 Tage gegeben, an denen der Feinstaub-Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten wurde – so viele wie im Gesamtjahr 2012.

Pro Jahr sind 35 Überschreitungstage zulässig. Seit 2006 ist diese Zahl in Kassel nicht mehr überschritten worden. Während sich die Feinstaubbelastung auch im Jahresmittel stets unterhalb des Grenzwerts bewegt, sieht es bei den Stickoxiden nicht so günstig aus: Die Konzentration dieser Atemwegsschadstoffe, die vor allem aus Auspuffrohren kommen, lag 2013 wie in den Jahren zuvor über dem Grenzwert. Ebenfalls 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sind hier zulässig. In Kassel lag der Jahresdurchschnitt bei 45 Mikrogramm. Damit ist die Stickoxidbelastung immer noch höher als zulässig, jedoch erstmals seit 2006 auf einen Wert unter 50 Mikrogramm gesunken.

Holger Henke

Wie sich die Luftqualität in Kassel weiter entwickelt, sei schwer zu prognostizieren und hänge wesentlich von den Unwägbarkeiten des Wetters ab, sagte Henke. „Der Dreck ist immer da – es kommt darauf an, wie stark er verdünnt wird.“ Bei der Schadstoffquelle Autoverkehr werde sich die ab Herbst verbindliche Euro-6-Norm für Neufahrzeuge auf mittlere Sicht günstig auswirken: „Etwa ab 2020 werden wir auch die Grenzwerte für Stickoxid einhalten können“, schätzt der Sachgebietsleiter.

Sorgen mache den Umweltfachleuten aber der ungebrochene Trend zur heimeligen Holzfeuerung in den eigenen vier Wänden. Hier sieht Henke einen gewissen Widerspruch: „Das mag fürs Weltklima gut sein – für die Schadstoffbelastung vor Ort ist das negativ.“

Von Axel Schwarz

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